Bei Dermatosen am männlichen Genitale handelt es sich oft um Manifestationen geläufiger entzündlicher Hauterkrankungen. Natürlich muss man aber auch Präkanzerosen und Malignome ausschliessen.

Von Balanitis spricht man, wenn nur die Glans penis betroffen ist, von Posthitis, wenn es sich nur um das Präputium handelt, von Balanoposthitis, wenn beide Lokalisationen affiziert sind.
Kontaktdermatitis: Zwei Arten von entzündlicher Reaktion können von potenziell schädlichen Agenzien ausgelöst werden: Kontaktdermatitiden durch Irritation und solche durch Allergene. Letztere erfordern aber eine vorherige Sensibilisierung. Typisch für Irritation sind Schmerz und Brennen, für Allergie Juckreiz. Irritationen entstehen oft durch übertriebene Intimhygiene. Allergene können von anderen Körperstellen (Hände) auf das Genitale übertragen werden. Ggf. sind Patch-Tests auf Allergene indiziert.
Seborrhoische Dermatitis: Diese ist eine häufige Ursache von Balanoposthitis. Zu den wegweisenden extragenitalen Manifestationen gehören erythematöse Flecken und fettige Schuppen an behaartem Kopf, Augenbrauen, Nasolabialfalten und Thorax. Diese Dermatose ist besonders häufig bei HIV-Infektion. Topische Kortikoide und Azol-Antimykotika können die Beschwerden reduzieren, evtl. auch topische Calcineurin-Inhibitoren.
Psoriasis: Die Schuppenflechte hat bekannte Prädilektionsstellen. Isolierter Genitale-Befall ist selten. Bei beschnittenen Männern können die Läsionen schuppig sein, bei den anderen erythematös und ohne Schuppen. Die üblichen topischen Mittel können auch bei Genitale-Psoriasis eingesetzt werden, allerdings in dezentem Umfang. Eine Steroid-Atrophie muss vermieden werden.
Zoonsche Plasmazell-Balanitis: Diese chronische, asymptomatische Veränderung wird wahrscheinlich durch Irritation durch Urin hervorgerufen. Es handelt sich um demarkierte, glänzende rotbraune Flecken auf dem Epithel. Keratinisierte Areale werden ausgespart. Topische Kortikoide können hilfreich sein. Eine Beschneidung wirkt in den allermeisten Fällen kurativ.
Lichen sclerosus: Diese chronische, erworbene Dermatose verläuft mit Remissionen und Rezidiven und weist Inzidenz-Gipfel in der Präpubertät und in der vierten Lebensdekade auf. Auslöser ist vermutlich Urin-Einwirkung auf das Epithel. Massgebliches Symptom ist Dyspareunie. Das Leiden kann asymptomatisch sein oder aber mit Jucken, Brennen etc. einhergehen. Man findet oft atrophische weisse Flecken oder Plaques und eine «lichenoide Entzündung» (lilafarbene Areale mit feiner Schuppung, Teleangiektasien, Purpura, Blasen, Erosionen und Ulzeration). Wiederholte Schübe führen zur Auflösung der anatomischen Konturen. Es droht Harnretention. Das Risiko eines Plattenepithelkarzinoms ist erhöht. Behandelt wird meist mit ultrapotenten topischen Steroiden. Manchmal muss chirurgisch eingegriffen werden.
Lichen planus: Die chronische, juckende Erkrankung manifestiert sich an verschiedenen Stellen der Haut, häufig auch am Genitale. Typische Primärläsionen sind kleine violette Papeln, oben flach und weiss. Nach Remission verbleibt eine Hyperpigmentation. Die Morphologie der Dermatose kann stark variieren. Den Glans-Befall kann man als Köbner-Phänomen interpretieren. Die Therapie soll deshalb auch den Juckreiz lindern. Der Genitale-Befall wird mit potenten topischen Steroiden behandelt. (red.)

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Abb. 1: Toxische Balanitis, Abb. 2: Balanitis plasmazellularis chronica Zoon, Abb. 3: Präkanzerose der Glans (Erythroplasie Queyrat)
Bildquelle: Dermatologisches Ambulatorium Stadtspital Triemli

Kommentar von Dr. med. Siegfried Borelli, Dermatologisches Ambulatorium Stadtspital Triemli

Hinter der Diagnose Balanitis können unterschiedlichste Ätiologien stehen. Viele Balanitiden entsprechen einer Intertrigo, d. h. einer Entzündung zwischen zwei aufeinanderliegenden Hautschichten, die durch bakterielle oder mykotische Übersiedelung kompliziert werden kann. Diese Form der unspezifischen Balanitis stellt eine Ausschlussdiagnose dar. Als weitere Ursachen müssen Infektionen und entzündliche Dermatosen gesucht werden. Shim et al. geben in ihrer Arbeit im British Medical Journal eine Übersicht über die entzündlichen Dermatosen, die im Genitalbereich eine Rolle spielen können. Insbesondere Psoriasis und seborrhoisches Ekzem werden dabei in der Differenzialdiagnose oft nicht berücksichtigt. Gerade im Bereich der Glans sollten jedoch auch infektiöse Erreger wie Candida spp, Streptokokken, Staphylokokken und Anaerobier nicht vergessen werden. Ebenso kann sich ein Herpes genitalis in mehr als der Hälfte der Patienten klinisch atypisch präsentieren.
Hinsichtlich einer Kontaktdermatitis besteht wegen der grossen Bandbreite in Frage kommender Noxen die Notwendigkeit der detaillierten Anamnese bezuüglich lokaler paramedizinischer Behandlungen und sexuellen Verhaltens. Hierbei muss die Thematik gezielt angesprochen werden, da Patienten aus Schamgefühl genital applizierte Pflegemittel, Medikamente, Gleitmittel oder Hilfsmittel meist verschweigen. Auch ohne applizierte Noxen kann es durch Ammoniak im Urin zur irritativen Entzündung kommen, weshalb gezielt nach Nachtröpfeln als Symptom der Prostatahyperplasie gefragt werden sollte. Die Patienten sollten immer hinsichtlich ihrer Hygienegewohnheiten in ein therapeutisches Gleichgewicht gebracht werden, bei dem mangelnde Reinigung ebenso wie ein Überpflegen mit häufigem Anwenden irritativer Detergentien vermieden werden muss. Kommt es bei negativem Erregernachweis und adäquater antientzündlicher Therapie zum Beispiel mit topischen Steroiden nicht zu einer Abheilung, muss differenzialdiagnostisch auch an (Prä)kanzerosen gedacht und biopsiert werden.

Dr. med. Siegfried Borelli, Dermatologisches Ambulatorium Stadtspital Triemli

Quelle:
Borelli S, Lautenschlager S: Differentialdiagnose und Management der Balanitis. Hautarzt 2015; 66: 6-11.

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