Heute können wir stets problemlos mit unserer Umwelt kommunizieren: Egal wann wir uns wo befinden, Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram etc. machen es möglich. Laut Prof. Dr. med. David-Olivier Jaquet-Chiffelle, Lausanne, ist es gerade in Verbindung mit dem Arztgeheimnis relevant, wo die entsprechenden Daten in der Cloud gelagert werden. Nicht alle Provider agieren gleich bezüglich der Geheimhaltung von Inhalten. Deshalb sein Tipp: «Achten Sie darauf, dass Ihr Server sich in der Schweiz befindet, denn nur dann greift auch die Schweizer Gesetzgebung!»

Verschlüsselung

Es stellt sich die Frage, wer die Informationen beim Datentransfer überhaupt lesen kann. Eine E-Mail verglich der Speaker dabei mit einer Postkarte: Bis die Postkarte beim Empfänger im Briefkasten landet, kann sie der Postbote lesen, oder aber auch die Mitarbeiter bei der Poststelle, am Flughafen, bei der Bahn… Twitter solle man sich zudem als Radio- oder TV-Sender vorstellen: Mehrere Leute können unabhängig voneinander das Gleiche hören und sehen – auch wenn es nicht für sie bestimmt war. Die Daten sind nicht verschlüsselt. WhatsApp reagiert auf diese Problematik und bietet den Service seit April 2016 nur noch als End-zu-End-Verschlüsselung an, das heisst es kann keiner die Daten abfangen.

Am Beispiel der Tweets von Steve Wozniak, dem Co-Erfinder von Apple, zeigte Prof. Jaquet-Chiffelle auf, wie viele Informationen wir unbeabsichtigt der grossen Masse preisgeben. Als @stevewoz twittert Wozniak zum Beispiel von Spital aus, wenn er eine Endoskopie machen muss, oder aber er twittert vom Flughafen in Panama, wenn er auf den Flieger wartet. Tweets haben eine geografische Signatur, wenn man diesen Service nicht ausstellt. Wozniak hat es versäumt, diese Information, die im Übrigen auch bei Digitalfotos hinterlegt ist, bei seinen Tweets auszublenden.

Wenn, dann nur anonymisiert über Patienten sprechen

Der Lausanner Experte verteufelte die neuen Medien nicht, wiederholte aber mehrfach, dass – egal wo und in welchem Medium – Patientendaten immer anonymisiert verwendet bzw. erwähnt werden sollten. Auf Twitter gibt es zum Beispiel den Hashtag #DocsTocToc, unter dem sich Ärzte gegenseitig Fragen zu unklaren Diagnosen stellen können. Eine Recherche im Rahmen des Vortrags ergab, dass unter den Hashtags #CardioEd, #Dermato und #MedEd im Zeitrahmen vom 3.-12. Mai 2016 tatsächlich nur medizinische Bilder ohne Gesicht der Patienten anonymisiert verwendet worden waren. Repräsentativ war diese Recherche aber natürlich nicht.

von Séverine Bonini

Quelle: Trend lecture: Facebook, twitter, WhatsApp: Le Médecin face aux dangers informatiques. SGAIM-Kongress, 26. Mai 2016, Basel.

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