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So beraten Sie Ihre Patientinnen und Patienten

Die Flut an Informationen zur Corona-Pandemie und zur COVID-19-Impfung zu filtern, fällt vielen Patientinnen und Patienten schwer. «Das Informationsbedürfnis ist riesig», stellen die Mitarbeitenden des kantonalen Referenz-Impfzentrums des Corona-Zentrums der Universität Zürich täglich fest. Sie haben für Sie 13 in «real-life» gestellte Fragen zusammengestellt und die Redaktion bei der Formulierung der Antworten unterstützt. So sind Sie auf die Fragen Ihrer Patientinnen und Patienten zur Impfung gut vorbereitet.

Text | Regina Scharf

«Wie gut bin ich nach der ersten und zweiten Impfdosis geschützt?»

Der Impfschutz für das Präparat der Firma Pfizer/BioNTech liegt zwei Wochen nach der ersten Impfdosis bei etwa 50% und etwas höher nach der Impfung mit dem Vakzin von Moderna. Gemäss aktuellen Daten beträgt der Impfschutz eine Woche nach der zweiten Impfung bei beiden Impfstoffen über 90%1. Der empfohlene Mindestabstand zwischen den Impfungen für das Vakzin von Pfizer/BioNTech beträgt 21 Tage und 28 Tage für den Impfstoff von Moderna. Ein etwas längerer Abstand zwischen den Dosen sollte keinen Einfluss auf die Schutzwirkung haben. Allerdings sollte die zweite Impfung nicht später als 42 Tage nach der ersten Dosis verabreicht werden2.

«Was passiert, wenn ich mich nur ein- anstelle von zweimal impfen lasse?»

Wie hoch der Impfschutz nach nur einer Dosis ausfällt, ist zurzeit unklar. Vermutlich ist die Antikörperantwort aber deutlich geringer. Da die Zahl der Antikörper mit der Zeit abnimmt, lässt bei einem niedrigeren Ausgangsniveau wahrscheinlich auch der Impfschutz schneller nach. Möglich ist auch, dass eine teilweise Immunität die Bildung neuer Virusmutanten begünstigt2.

«Kann ich mich impfen lassen, wenn ich eine Allergie habe?»

In den allermeisten Fällen lautet die Antwort: Ja. Für Personen mit Allergien auf Nahrungsmittel, Pollen, Hausstaubmilben, Tiere, Insektengift, Latex oder Medikamente besteht kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Abgeraten wird von einer Impfung bei Allergien gegen Bestandteile der COVID-19-Impfstoffe, wie das oft auch in Kosmetika enthaltene Polyethylenglykol (PEG)3. Dieses steht in Verdacht, für die vereinzelten Fälle (<5 von 100 000 Geimpften) von schweren behandlungsbedürftigen allergischen Reaktionen kurz nach der Impfung verantwortlich zu sein1, 2. Ist in der Vorgeschichte eine schwere allergische Reaktion unbekannter Ursache aufgetreten, sollte diese vor der Impfung allenfalls in einer allergologischen Sprechstunde abgeklärt werden.

«Wirkt die Impfung auch gegen die beiden neuen Varianten des Coronavirus?»

Im Dezember wurde die Ausbreitung zweier Virusvarianten aus Grossbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) bekannt, die sich noch leichter von Mensch zu Mensch übertragen als bisher zirkulierende Coronaviren2. In der Zwischenzeit wurden diese beiden Varianten auch in der Schweiz nachgewiesen. Momentan geht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) davon aus, dass die COVID-19-Impfung zu einem vergleichbaren Schutz vor der SARS-CoV-2-Variante aus Grossbritannien führt3. Es wird vermutet, dass der Schutz vor der Südafrika-Variante etwas niedriger ist1.

«Was für Impfstoffe werden zurzeit eingesetzt?»

Aktuell sind zwei Impfstoffe gegen COVID-19 in der Schweiz zugelassen. Bei beiden handelt es sich um mRNA-Impfstoffe, die sich bezüglich Impf-Mechanismus, Wirksamkeit, Verträglichkeit, Sicherheit, Impfschema und Impfindikation grösstenteils gleich verhalten. Sie enthalten die genetische Sequenz mit dem Bauplan für das Spike-Oberflächenprotein des SARS-CoV-2-Virus. Anhand dieses Bauplans wird nach der Impfung in einigen Körperzellen das Spike-Protein (Antigen) hergestellt. Das Immunsystem reagiert mit der Produktion von Antikörpern (humorale Antwort) und der Aktivierung spezifischer Immunzellen (zelluläre Immunantwort) auf die Virus-Bestandteile. Infiziert sich die geimpfte Person mit dem SARS-CoV-2-Virus, ist das Immunsystem vorbereitet und schützt den Körper vor dessen Ausbreitung2, 3. Die Impfstoffe unterscheiden sich hinsichtlich der Alterszulassung sowie bei den empfohlenen Impfabständen3.

«Kann ein mRNA-Impfstoff mein Erbgut (DNA/Gene) verändern?»

Nein, das ist nicht möglich. Die mRNA ist in Lipidstoffe verpackt, die von einigen wenigen Muskel- und Immunzellen aufgenommen und nach kurzer Zeit vollständig abgebaut werden. Mit dem Abbau der mRNA endet auch die Produktion des Virus-Proteins. Zu diesem Zeitpunkt sollte die körpereigene Abwehr gegen die COVID-19-Erkrankung aufgebaut sein. Die mRNA kann nicht in den Zellkern eindringen und beeinflusst unser Erbgut (DNA) nicht. Deshalb ist die mRNA-Impfung auch keine Gentherapie1-3.

«Welche Risiken haben die neuen Impfstoffe?»

Die Erfahrungen mit anderen Impfstoffen über viele Jahre haben gezeigt, dass die meisten Nebenwirkungen innerhalb der ersten drei Tage nach der Impfung auftreten. Die häufigste lokale Reaktion, die nach der Impfung mit den zugelassenen mRNA-Impfstoffen beobachtet wurde, waren Schmerzen an der Einstichstelle. Zu den häufigsten systemischen Reaktionen gehörten Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Fieber tritt insgesamt seltener auf und wenn, dann häufiger nach der zweiten Impfung. Das einzige bekannte ernsthafte Risiko der Impfungen ist eine allergische Reaktion (siehe dazu Frage 3)3.
Trotzdem können andere, bisher unbekannte (und damit sehr seltene) Risiken nicht ausgeschlossen werden. Die Impfstoffe werden jedoch auch weiterhin hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Sicherheit überwacht, so dass immer mehr Erkenntnisse zur Langzeitsicherheit, insbesondere zu seltenen Risiken, gewonnen werden2.

«Darf ich mich impfen lassen, wenn ich schwanger bin?»

Bis vor kurzem wurde schwangeren Frauen aufgrund fehlender Studiendaten von einer Impfung gegen COVID-19 abgeraten. Diese Empfehlung wurde angepasst: Neu empfiehlt das BAG schwangeren Frauen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes mellitus, sich impfen zu lassen.

«Kann ich nach der zweiten Impfung wieder Leute umarmen, ohne Maske einkaufen und meine Enkel hüten?»

Die Impfung schützt vor einer schweren COVID-19-Erkrankung. Ob die Impfung eine Übertragung der Infektion mit SARS-CoV-2 verhindert, ist noch unklar. Die Hygiene- und Verhaltensregeln bleiben deshalb auch nach der Impfung wichtige Massnahmen, um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen1, 3.
Es besteht das Risiko, dass sich ältere und damit Personen der Hochrisikogruppe, die ihre Enkel hüten, bei den Kindern infizieren. Ratsamer wäre es, erst nach der Impfung wieder an die Kinderbetreuung zu denken, denn dann sollten die Betroffenen vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt sein.

«Ist es ein Problem, wenn ich Corona hatte und nun geimpft werde?»

Es gibt bisher keine Hinweise auf Probleme hinsichtlich der Wirksamkeit und Verträglichkeit der zugelassenen mRNA-Impfstoffe bei Personen nach einer SARS-CoV-2-Infektion oder einer COVID-19-Erkrankung. Deshalb besteht auch keine Notwendigkeit, vor der Impfung einen Test durchzuführen, um eine akute, asymptomatische oder unerkannte Infektion auszuschliessen2. Das BAG geht davon aus, dass Personen nach einer COVID-19-Erkrankung für mindestens drei Monate vor einer erneuten Ansteckung geschützt sind. Eine Impfung wird deshalb ca. drei Monate nach der Erkrankung empfohlen3.

«Kann man sich parallel zur COVID-19-Impfung gegen andere Krankheiten impfen lassen?»

Die gleichzeitige Verabreichung von anderen Impfstoffen wird mangels Daten aktuell nicht empfohlen. Der empfohlene Abstand zwischen der COVID-19-Impfung und anderen Impfungen beträgt eine Woche3. Die Einhaltung empfohlener Präventionsmassnahmen wie Impfungen hat zurzeit eine besonders hohe Bedeutung: Sie schützen vor Infektionen, die auch in der Pandemiezeit gefährlich sein können, und entlasten das Gesundheitssystem.

«Muss ich meine Immunsuppressiva vor der Impfung absetzen?»

Regelmässig eingenommene Immunsuppressiva müssen nicht abgesetzt werden. Wichtig ist, dass die betroffene Person die Situation mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin bespricht. Es könnte sein, dass der Impfschutz durch die immunsuppressive Therapie abgeschwächt wird. Möglicherweise ist nach der zweiten eine zusätzliche Impfung erforderlich. Entsprechende Erkenntnisse werden anhand laufender Studien gewonnen.

«Welche Atemwegserkrankungen zählen zu den Risikoerkrankungen, aufgrund derer man sich für eine Corona-Impfung anmelden sollte?»

Zu den Risikoerkrankungen zählen COPD mit höherem Einschränkungsgrad (ab GOLD II), Emphysem/schwere Bronchiektasen, interstitielle Pneumopathie/Lungenfibrose, Krankheiten mit schwer eingeschränkter Lungenkapazität sowie Lungenkrebs (und andere Krebserkrankungen) unter aktiver Therapie.
Das BAG und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) haben zudem eine Liste mit allen Erkrankungen, die mit einem sehr hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung einhergehen, herausgegeben4.

Bibliografie

1      Corona-Zentrum der Universität Zürich: www.coronazentrum.uzh.ch/de/
2      Robert Koch Institut, Deutschland: www.rki.de
3      Bundesamt für Gesundheit: bag.admin.ch
4      Eidgenössisches Department des Innern, BAG, EKIF. Impfempfehlung für mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 (Stand 12.01.21)

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