«Bei iatrogenen Eisentätowierungen ist der Laser am effektivsten»

Nach einer paravasalen Eiseninfusion können iatrogene Tätowierungen entstehen. Die Pigmentstörungen treten sofort oder innerhalb weniger Tage nach erfolgter Behandlung auf. Dr. med. Laurence Imhof, Leiterin Physikalische Therapie und Ästhetische Dermatologie der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich, klärt über die Entfernung dieser Eisentätowierungen auf.

Athena Tsatsamba Welsch im Gespräch mit… Dr. med. Laurence Imhof

SkinMag: Dr. Imhof, aus welchen Gründen suchen Patienten Ihre Laser-Sprechstunde nach einer parenteralen Eisensubstitution auf?

Dr. med. Laurence Imhof: Es stellen sich vor allem Patientinnen mit optisch störenden Hyperpigmentierungen nach erfolgter Eiseninfusion vor. Nach einer paravasalen Injektion gelangen Eisenpartikel statt in die Vene in die Dermis und Subcutis. Auch beim Herausziehen der Nadel kann etwas daneben fliessen. Viele Frauen lassen sich behandeln, weil die Flecken stigmatisierend sind. Sie werden angesprochen, ob sie geschlagen wurden.

Wie sehen die Läsionen aus?

Eisenpartikel in der Haut können zu ästhetisch unschönen bräunlichen oder graubläulichen Verfärbungen führen. Wegen der subkutanen Diffusion betrifft die Läsion nicht nur die Injektionsstelle, sondern häufig auch angrenzende Areale. Die Grösse der Hyperpigmentierung ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, wie viel Infusionslösung ins Gewebe gelaufen ist – die Grösse kann von einem kleinen Fleck bis zur Grösse eines Armes betragen.

Kann sich eine Hyperpigmentierung spontan zurückbilden?

Es besteht die moderate Chance einer spontanen Regredienz der Hyperpigmentierung, aber bis heute, gibt es keine Daten über die genaue Regresssionsrate und Dauer.

Wie behandeln Sie eine eiseninduzierte Hyperpigmentierung?

Prinzipiell behandeln wir diese wie eine Schmucktätowierung, bei welcher der Tätowierer Farbpartikel von aussen tief in die Haut einbringt. Bei einer eiseninduzierten Hyperpigmentierung können wir das exogene Pigment in allen Schichten der Dermis und auch im subkutanen Fettgewebe nachweisen. Die weitgehend einzig mögliche und schonendste Behandlung ist die Lasertherapie. Topische chemische Behandlungen mit Bleichpräparaten oder oberflächlichen chemischen Peelings sind unwirksam, da zu wenig tief in die Haut eindringend. Tief reichende chemische Peelings bergen ein obligates Risiko für bleibende unerwünschte Pigmentverschiebungen und Narbenbildung. In manchen Fällen kann eine Lymphdrainage oder Massage unterstützend helfen; als alleinige Therapie sind beide Methoden jedoch nicht zielführend. Meiner Erfahrung nach bringt nur die Lasertherapie den erwünschten Erfolg, und dies mit einem exzellenten kosmetischen Ergebnis und einem minimalen Nebenwirkungsprofil.

Welche Laser wenden Sie für die Behandlung an?

Zur Entfernung von sowohl Schmuck- als auch iatrogenen Tätowierungen verwende ich gütegeschaltete Lasersysteme. Abhängig vom Hauttyp des Patienten kommen ein Nd:Yag­1064­nm­, ein Rubin­694­nm­ und / oder ein Alexandrit­755­nm Laser zum Einsatz. Bei der Behandlung werden die Pigmente pulverisiert und in der Folge gelinder über das lymphatische System abtransportiert.

Wie viele Behandlungen sind nötig?

Im Durchschnitt sind 5,6 Laserbehandlungen in  Abständen von sechs bis acht Wochen für eine zufriedenstellende Aufhellung nötig. Das hat unsere vor Kurzem veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit zu Fällen mit Hyperpigmentierungen nach Eisen­injektionen, die zwischen 2008 und 2017 in der Dermatologischen Abteilung des Universitäts-spitals Zürich behandelt wurden, ergeben1.

Gibt es Kontraindikationen für eine Lasertherapie?

Eine Therapie auf dunkler Haut kann zu Pigmentverschiebungen führen. Daher rate ich bei dunkleren Hauttypen ≥4 zu einer obligaten Probe­Lasertherapie an einem kleinen Areal. Ebenso rate ich von der Behandlung sonnengebräunter Haut ab, weil auch hier das Risiko für unerwünschte Pigmentverschiebungen grösser ist.

Wann sollte die Behandlung erfolgen?

Zum einen empfiehlt es sich, möglichst früh nach Eintritt des Ereignisses die Lasertherapie aufzunehmen. Dies, weil noch nicht so viele Pigmente in den Makrophagen abgespeichert sind. Zum anderen besteht jedoch die Möglichkeit einer Spontanremission, was dafür spricht, einige Monate abzuwarten. Diese Punkte sollten mit dem Patienten besprochen und das weitere Vorgehen individuell festgelegt werden. Wenn sich ein Patient für eine Behandlung entschliesst, ist es wichtig, ihn darüber aufzuklären, dass die Lasertherapie trotz Lokalanästhesie nicht angenehm ist. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die strikte Meidung einer Sonnenexposition des Behandlungsareals für die Zeitspanne der Therapiedauer und einige Wochen darüber hinaus. Sollte dies nicht möglich sein, empfehle ich, die Behandlung ausschliesslich im Herbst- und Winterhalbjahr durchzuführen.

 

Quelle:

  1. Eggenschwiler CDC, et al.: Use of Lasers for Iron­Induced Accidental Tattoos: Experience at a Tertiary Referral Center. Dermatol Surg 2020; 46(9): 1176 – 1182.

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