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Wie verändern sich die Gesundheitsberufe?

Im Auditorium der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) fand Anfang September eine Veranstaltung zum Thema Zukunft in den Gesundheitsberufen statt. Dabei ging es unter anderem um die Rolle der Nurse Practitioners.

Kongressbericht | Ramona Ronner

Mit einem Innovation Hub will das Kantonsspital Baden auf den fortwährenden Wandel im Gesundheitswesen reagieren bzw. dem Wandel gar vorauseilen. «Wir Spitäler sind Kompetenzzentren. Als solche sollten wir proaktiv an der Zukunft mitarbeiten und nicht nur zuwarten», sagte Benedikt Niederer, Leiter Unternehmensentwicklung am Kantonsspital Baden. Auf dem Spitalgelände wird eine freistehende Fläche als Hub genutzt, wo die verschiedensten Ideen entworfen und teilweise auch entwickelt werden. Sowohl vermeintlich triviale Probleme als auch Lösungen mit Künstlicher Intelligenz werden angegangen. Dabei ist nicht nur wichtig, dass der Spitalaufenthalt für die Patienten angenehmer gestaltet wird, sondern auch, dass die Arbeitsabläufe der Mitarbeitenden verkürzt und vereinfacht werden.

Veränderungen im Gesundheitswesen führen zu neuer Rollenverteilung

Um Veränderungen ging es auch im Vortrag von Dr. Christoph Von Dach, Stv. Direktor Pflege und Leiter Pflegeentwicklung der Solothurner Spitäler. Strukturelle und technische Veränderungen bringen auch neue Anforderungen mit sich. «Diese Anforderungen haben eine Vermischung der Bereiche Pflege und ärztliche Behandlung zur Folge», erklärte Dr. Von Dach. Aus diesen Vermischungen entstehen auch neue Rollen. Eine dieser möglichen Rollen ist die des Nurse Practitioners, einer «Nahtstelle zwischen Ärzten und Pflegenden». Der Beruf des Nurse Practitioners ist im englischen Sprachraum schon seit vielen Jahren verbreitet, im deutschsprachigen Raum taucht er in den letzten Jahren vermehrt auf.

Nurse Practitioners haben Ähnlichkeiten mit dem hierzulande gängigen Beruf der Pflegeexpertin APN. Mangels eines offiziellen Begriffs werden sie demnach auch so genannt, sollten sie im schweizerischen Umfeld arbeiten. «In den Solothurner Spitälern haben wir uns darauf geeinigt, diese Bezeichnung zu ergänzen mit ‘in ärztlicher Funktion’», erläuterte Dr. Von Dach. Ein Nurse Practitioner übernimmt eine ganze Patientengruppe und pflegt sie und übernimmt vereinzelte klinische Untersuchungen, ähnlich einem Assistenzarzt.

«Es herrscht Ärzte- und Pflegendenmangel in der Schweiz, das Bedürfnis nach Nurse Practitioners wird also in Zukunft wachsen», meinte Dr. Von Dach. Warum hat es aber dennoch nur wenige solcher Stellen in der Schweiz? Das Problem liegt gemäss dem Referenten beim KVG. Einerseits gibt es nur wenige Möglichkeiten, im Tarmed pflegerische Leistungen abzurechnen, und andererseits kann man die klinischen Untersuchungen nur als Arzt verrechnen. Dr. Christoph Von Dach scheint jedoch positiv gestimmt, dass sich dieses Problem in nächster Zeit ändern wird. «Es wird Zeit, dass wir weniger in Disziplinen denken, sondern in Behandlungsteams», betonte der Experte. Dieser Meinung waren auch die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion.

 

Quelle:
Donnerstagsrunde «Gesundheitswesen von morgen – wie verändern sich die Gesundheitsberufe?», 3. September. Veranstalter: Hochschule für Wirtschaft Zürich und Wittlin Stauffer AG.

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