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Menopausale Akne

Akne ist vorwiegend als Problem bei Adoleszenten bekannt. Zunehmend betrifft sie aber auch Menschen jenseits des Teenager­Alters, insbesondere Frauen in der Menopause. Ursache ist die menopausal bedingte hormonelle Imbalance mit einem relativen Überwiegen der Androgene. Ausser den Akne­Läsionen können in dieser Lebensphase auch Hirsutismus oder Alopezie auftreten. Was kann man diesen Patientinnen therapeutisch anbieten?

Die Akne vulgaris ist eine häufig vorkommende chronische entzündliche Erkrankung der Haut mit offenen oder geschlossenen Komedonen, Papeln, Pusteln und manchmal auch Knötchen / Knoten oder Zysten. Es kann im Krankheitsverlauf zu einer Narbenbildung kommen. Am häufigsten von Akne betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene. In den letzten Jahren wird sie aber auch mehr und mehr bei älteren Erwachsenen, insbesondere bei Frauen in der Perimenopause beschrieben. Die Prävalenz der Akne bei erwachsenen Frauen wird mit 20-40% angegeben.

Vier pathogenetische Faktoren

Akne ist eine inflammatorische Erkrankung multifaktorieller Genese. Als die vier wesentlichen pathogenetischen Faktoren gelten erhöhte bzw. veränderte Androgen-abhängige Sebumproduktion, abnormale follikuläre Hyperkeratose und Differenzierung, follikuläre Besiedlung mit Cutibacterium acnes und chronische Inflammation durch komplexe Immunmechanismen des angeborenen und erworbenen Immunsystems.

Bei perimenopausalen Frauen sinken die Östrogenspiegel eher schlagartig, während die Androgene langsam abnehmen. Das führt zu einem relativen Über-wiegen von Androgen (postmenopausaler Hyperandrogenismus). Hinter einem Hyper androgenismus kann aber auch ein tumoröses Geschehen stecken oder ein «Polycystic Ovary Syndrome» (PCOS), eine Akromegalie, ein Cushing-Syndrom oder eine kongenitale adrenale Hyperplasie. Auch metabolische Ursachen wie Adipositas, das metabolische Syndrom oder eine Insulinresistenz kommen vor. Schliesslich können Medikamente wie Valproat, Oxcarbazepin, Testosteron oder Danazol einen Hyperandrogenismus auslösen. Unabhängig von der Ursache können Akne, Hirsutismus, Virilisierung oder Alopezie die Folge eines relativ erhöhten Androgenspiegels sein.

Die adulte Akne kann sich von der menopausalen unterscheiden. Typisch für die der Wechseljahre ist eine Ausbreitung am Stamm (seltener im gesamten Gesicht), eine geringere Schwere, eher tiefer in der Haut sitzende Papeln oder Knötchen, häufigeres Vorkommen von Makrokomedonen, seltener inflammatorische Papeln und eine häufigere Depressions-Stress-Komorbidität.

Therapeutische Besonderheiten

Bei topischen Behandlungen sollte man bei perimenopausalen Frauen mit Akne besonders aufmerksam sein, sie leiden ohnehin häufiger unter einer trockenen und empfindlichen Haut. Aknenarben aus der Jugend können perimenopausal mehr in Erscheinung treten. Topische Retinoide stellen – so wie bei der jugendlichen Akne – auch bei perimenopausalen Patientinnen das Rückgrat der Aknebehandlung dar. Benzoylperoxide sollte man mit Vorsicht anwenden, denn bei älteren Frauen können sie Hautirritationen und Trockenheit auslösen. Azelainsäure wird hingegen meist gut vertragen. Dapson eignet sich auch gut zur Langzeittherapie.

Handelt es sich um eine moderate bis schwere Akneform, kann auch eine systemische Therapie indiziert sein. Hier kommen Antiandrogene, Hormone, Isotretinoin und systemische Antibiotika infrage. Das Antiandrogen Spironolacton ist Therapeutikum der Wahl, insbesondere wenn die Patientin auch unter Hirsutismus oder Alopezie leidet (beides Androgen- bedingt). Auch der nicht- steroidale Androgenantagonist Flutamid kann eine Option sein (Cave Hepatotoxizität). Kombinierte orale Kontrazeptiva wären zwar prinzipiell auch eine effektive Möglichkeit, sie sind aber häufig im peri-/postmenopausalen Alter kontraindiziert (Thrombose, onkologische Anamnese).

 

Quelle:

Khunger N, Mehrotra K: Menopausal acne – challenges and solutions. Int J Womens Health 2019; 11: 555–567.

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