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Ernährung römischer Gladiatoren

Die Antike fasziniert immer wieder aufs Neue, sei es aufgrund von archäologischen Ausgrabungen, Schilderungen in Geschichtsbüchern oder in Hollywoodfilmen. Wie die Menschen der römischen Antike ihren Alltag erlebten, erschliessen Einblicke in einfache Dinge, wie zum Beispiel ihre Ess­ und Trinkgewohnheiten.

Text | Jacqueline Rüesch

Die Ernährungsweisen altrömischer Bürger sind dank schriftlicher Überlieferungen aus jener Zeit und Untersuchungen archäologischer Ausgrabungen relativ gut erschlossen. Besonders bemerkenswert ist das vollständig erhaltene Kochbuch von Apicius Caelius De re coquinaria – «Über die Kochkunst»1. Das vermutlich von einem wohlhabenden römischen Feinschmecker verfasste Werk, dessen Urheber aber umstritten ist, enthält alles, was auch heute von einem Kochbuch verlangt wird. Es gliedert sich in verschiedene Kapitel zu allgemeinen Ratschlägen, zur Zubereitung von Fleisch, Gemüse und vieler weiterer noch heute beliebter Nahrungsmittel. Allein die fehlenden Gewichts- und Zeitangaben lassen darauf schliessen, dass das Buch einer früheren Epoche entspringt, wo Zeit und Masse noch keins ehr grosses Gewicht hatten. Ein sehr gut erhaltener Zugang zu Küchenutensilien, Vorrichtungen und Nahrungsresten gewährt die heute teilweise gehobene antike Stadt Pompeij, welche im 79. Jh. n. Chr. während eines Ausbruchs des Vesuvs verschüttet wurde.

Nach archäologischen Erkenntnissen wurde, je nach Vermögenslage, auf offenem Feuer gekocht, auf mobilen Kochstellen aus Terrakotta oder auf einer Vorrichtung aus Ziegelsteinen, Kies und einem metallenen Rost, auf welchem die Töpfe aus Keramik, Bronze oder Kupfer standen und das Fleisch auf Spiessen gebraten wurde. Auch Backöfen waren vorhanden sowie Ausgüsse für Abwasser und, in besseren Häusern, teilweise sogar Anschlüsse für fliessendes Wasser. Das Kochen selbst war in der Regel Sache der Sklaven, später dann auch von ausgebildeten Köchen. So gab es nebst mehrstöckigen Markthallen auch Imbissstände und Gar-küchen (thermopolia), wo warmes Essen verkauft wurde, sowie Wirtshäuser und Kneipen (tabernae)2.

Die Nahrung altrömischer Bürger

Die bekannten ausschweifenden Gelage fanden in späteren Jahren des römischen Reichs bei sehr reichen Leuten zu besonderen Anlässen statt. Gegessen wurde in besseren Kreisen im Liegen, dies auch gerne mal im Innenhof des Hauses. Nahrung wurde normalerweise dreimal am Tag eingenommen, vor allem Getreidebrei (puls), Gemüse, Käse, Obst und Kerne. Fleisch gab es selten und war den reicheren Bürgern vorbehalten. Charakteristisch für die altrömische Küche ist die Vorliebe für das Zerstampfen und Zermahlen der Nahrungsmittel und das Würzmittel garum, eine Essenz aus Fischen und Kräutern, das anstelle von Salz zum Verfeinern von Gerichten diente. Das Gewürz kann mit dem heute verfügbaren asiatischen Núoc-Mâm verglichen werden. Nebst vielen Gewürzen, die auch heute noch in der Küche Verwendung finden, gab es damals noch das laserpicium, von welchem das Wort «lasieren» kommt, vermutlich eine ausgestorbene Art des Teufelsdrecks  (Ferula assa-foetida). Die spätere römische Küche war stark von ihren eroberten Ländern geprägt und enthielt viele Zutaten, die auch heute noch in der Mittelmeerküche zu finden sind, wie etwa die Olive. Bereits damals wurden Formen von Ricotta, der gerne mit zerstampften Kräutern ergänzt wurde, und Mozzarella verwendet. Käse wurde während der Produktion geformt, wes-halb er formaticus genannt wurde – die Herkunft des italienischen Ausdrucks «formaggio». Getrunken wurde Wein, oft vermischt mit Wasser, verschiedene Liköre auf der Basis von Wein, ein Erfrischungsgetränk aus Wasser und Essig und hydromeli (Honigwasser)2.

Das Leben der Gladiatoren

Antike römische Texte, wie solche von Plinius dem Älteren, überliefern, dass Gladiatoren gewöhnlich eine spezielle Diät aus Gerste und Bohnen einnahmen, weshalb sie auch hordearii genannt wurden, was so viel heisst wie «Gerstenfresser»3, 4. Obwohl Gladiatoren vorwiegend Sklaven, Kriegsgefangene und überführte Straftäter waren und ihre Nahrung wohl eher derjenigen der ärmeren Bevölkerung entsprach, ergaben Untersuchungen von Gladiatoren-Gräbern aus dem 2./3. Jh. n. Chr. in Ephesus (West-Türkei), dass die Gladiatoren-Medizin des römischen Zeitalters wahrscheinlich die erste elaborierte Sportmedizin überhaupt war und die Ernährung der Gladiatoren nicht in allen Punkten derjenigen ärmerer oder gewöhnlicher Bürger entsprach. Gladiatoren wurden in Schulen wie der in Capua nahe Neapel gelegenen Stadt ausgebildet und für die Arena vorbereitet. Ziel war es doch, den Zuschauern ein entsprechend gewaltiges Spektakel zu bieten. Ähnlich römischer Legionäre, die einen täglichen Energieverbrauch von 5000-6000 kcal hatten, wurden Gladiatoren mit einer kohlenhydratreichen pflanzlichen Nahrung versorgt. Diese Ernährung ermöglichte ihnen eine ausreichend gut verdaubare, nachhaltige Versorgung mit Energie4.

Menschliche Überreste von Gladiatoren

Menschliche Überreste von Gladiatoren, ausfindig gemacht aufgrund der Häufung männlicher Skelette und anhand von Spuren gewalttätiger Einwirkung, wie Verletzungen von stumpfen Gegenständen, Schnitt- und Stichwunden oder Löwenbissen, und zum Teil auch ungleich stärkerer Muskulatur in den rechten Armen5, ergaben Hinweise auf eine entsprechende Ernährungsweise. So untersuchte eine Studie der Medizinischen Fakultät Wien und der Departemente für Forensische Medizin der Universitäten Wien und Bern stabile Isotopenverhältnisse im Collagen (C3 , C4 , N, S) sowie das Verhältnis anorganischer Knochenverbindungen (Sr, Ca) bei Gladiatoren im Vergleich zu Nicht-Gladiatoren. Die beiden untersuchten Gruppen unterschieden sich nicht signifikant. Daraus folgte, dass alle Individuen C3-Pflanzen, wie Weizen und Gerste, als Grundnahrungsmittel konsumierten. Wenige Individuen wiesen auch Spuren von C4-Pflanzen, wie Hirse, auf, was im damaligen Rom vorwiegend ein Getreide zur Fütterung von Tieren war, und somit auf den Verzehr von Fleisch hinweisen könnte. Auch der römisch-griechische Arzt Galen berichtete in seinem Text De alimentorum facultatibus, dass Bohnen ein wichtiges Nahrungsmittel für Gladiatoren waren, die explizit wenig Fleisch erhielten. Das Stickstoff- und Schwefelvorkommen war in beiden Gruppen gering und relativ heterogen verteilt. Ein signifikant grosser Unterschied bestand zwischen dem Strontium/Kalzium- Verhältnis der Gladiatoren und demjenigen gewöhnlicher Bürger. Das Strontium/Kalzium-Verhältnis war bei Gladiatoren etwa zwei-mal so hoch wie bei den Nicht-Gladiatoren. Aufgrund des hohen Strontium/Kalzium-Verhältnisses nehmen die Forscher an, dass die Gladiatoren, ähnlich wie die Hopi- Indianer, mit einem Getränk aus Wasser und Pflanzenasche (pyxis) zusätzliches Kalzium anreicherten. So erwähnte auch Plinius der Ältere in seinem Werk Naturalis historia, dass beim Kochen abfallende Asche bei der Ernährung von Gladiatoren eine Rolle spielte. Das Getränk wurde nach Kämpfen zur Heilung von körperlichem Schmerz verabreicht, was eine Erklärung des hohen Strontium/Kalzium- Werts in den Knochen der Gladiatoren sein könnte. Ebenfalls Ursache für die Ausbildung mineralischer Knochendichte könnte der über viele Jahre erlittene mechanische Stress sowohl durch Druck der Schutzkleidung als auch die allgemeine körperliche Belastung sein3.

Die Studie mit Ausgrabungsmaterialien aus Epheseus hat ergeben, dass sich Gladiatoren zwar ähnlich ernährten, wie die damaligen Bürger Roms, was vielleicht auch auf ihr vormaliges Leben als gewöhnliche Bürger hinweist, sie aber eher eine pflanzliche Kost und nur sehr wenig Fleisch konsumierten. Ihre spezielle Diät war wohl aber kaum nur finanziell begründet, im Gegenteil, Gladiatoren waren relativ fett. Ihr Konsum von reichlich Kohlenhydraten aus Gerste und Hülsenfrüchten war willkommen. Diese Ernährung ermöglichte die Bildung einer subkutanen Fettschicht, die bei den Gladiatorenkämpfen vor heftigen Hieben schützte, so dass Verletzungen wenig schmerzten, das Weiterkämpfen gesichert war, aus ihnen aber spektakuläre Blutwunden resultierten6.

 

Bibliografie

  1. Caelius A: Altrömische Kochkunst in zehn Büchern. Bearbeitet und ins Deutsche übersetzt von Eduard Danneil. Kurt Däweritz; 1911. (Digitalisat der Universität Illinois, urn:oclc:record:1039498194).
  2. Gerlach G: Zu Tisch bei den alten Römern. Eine Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Theiss; 2001 (Sonderheft der Zeitschrift «Archäologie in Deutschland»).
  3. Lösch S, et al.: Stable Isotope and Trace Element Studies on Gladiators and Contemporary Romansfrom Ephesus (Turkey, 2 nd and 3 rd Ct. AD) – Implications for Differences in Diet. PLoS ONE 2014; 9 (10): e110489.
  4. Longo UG, et al.: The Best Athletes in Ancient Rome Were Vegetarian! Journal of Sports Science and Medicine 2008; 7(4): 565.
  5. Wainwright M: Scars from Lion Bite Suggest Headless Romans Found in York Were Gladiators. The Guardian 2012.
  6. Curry A: The Gladiator Diet. How to eat, exercise, and die a violent death. Archeology 2008; 61(6): https://archive.archaeology.org/0811/abstracts/gladiator.html (zuletzt aufgerufen am 29. Juni 2020).

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