Samthaut: Aprikosen und Pfirsiche

Macht man jemandem ein Kompliment über seine samtige Haut, fällt rasch das Wort Aprikose oder Pfirsich. Vielleicht wird das Öl der beiden Früchte auch deshalb gerne in Kosmetika eingesetzt, bevorzugt in Cremes gegen trockene und raue Haut. Aprikosen und Pfirsiche sind aber auch Fitmacher und Glückssymbole.

Text | Jacqueline Rüesch

Früchte werden botanisch nach verschiedenen Merkmalen kategorisiert, wichtig dabei ist der Aufbau der Fruchtwand, des Perikarps, das immer dreischichtig ist und aus Endo-, Meso- und Exokarp besteht. Daneben unterscheidet man Einzel- und Sammelfrüchte und Streu- und Schliessfrüchte1. Die Aprikose (Prunus armeniaca) und der Pfirsich (Prunus persica) gehören beide zur Gattung Prunus, im Tribus der Steinfrüchte (Amygdalae), und damit zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Wie alle Steinfrüchte haben auch sie ein hartes Endokarp, das den Samen fest einschliesst, ein fleischiges Mesokarp und ein festes Exokarp, die Fruchthaut. Gerade die findet bei Aprikose und Pfirsich Interesse. Doch was macht diese Fruchthaut so besonders zart? Steinfrüchte werden vor allem über fruchtfressende Tiere verbreitet, wie Wildschweine, Füchse und Vögel, weshalb sich das süsse Fruchtfleisch vorteilhaft auf das Weiterbestehen dieser Obstbäume auswirkt. Die Haut der Früchte schützt das Fruchtfleisch vor äusseren Einflüssen und hält es zusammen.

Beim Pfirsich besteht die äusserste Hautschicht, die Kutikula, aus 27% Fruchtwachsen, 20% Cutin und 53% unlöslichem Rückstand, eine Mischung aus Cutan und Polysacchariden. Die fest in der Epidermis verwurzelten einzelligen feinen Härchen mit dünnem Lumen und dicker Zellwand bestehen aus 15% Fruchtwachsen und 19% Cutin und sind mit 66% polysaccharidem Material gefüllt, bestehend aus Hydroxyzimtsäure-Derivaten und Flavonoiden. Pflanzenhaare (Trichome) können verschiedene Funktionen haben, unter anderem dienen sie dem Schutz vor Tierfrass oder der Wasseraufnahme und -abgabe, der Reizaufnahme, wie etwa bei der Mimose (Mimosa pudica), oder der Beschaffung spezieller Nahrung, wie bei der Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula). Wie bei vielen Pflanzen, so auch bei der Aprikose, schützen die Härchen des Pfirsichs die Frucht vor biotischem und abiotischem Stress, besonders vor Wasserverlust. Untersuchungen haben ausserdem ergeben, dass die Trichome eindringendes Wasser doppelt so stark absorbieren wie die Kutikula selbst und möglicherweise den bi direktionalen Austausch von Gasen beeinflussen2. Hayama et al. machen darüber hinaus den Einfluss von Ethylen für die Weichheit der Frucht verantwortlich3.

Ursprung und Bedeutung des Pfirsichs

Der Pfirsichbaum ist einer der ältesten kultivierten Obstbäume überhaupt. Er stammt ursprünglich aus Südwestchina und Tibet und ist für die Zeit der Longshan-Kultur nachweisbar, einer spätneolithischen Kultur in der Provinz Shandong, die von etwa 3200 bis 1850 v. Chr. dauerte. Im zweiten Jahrhundert v. Chr. kam der Pfirsich nach Kleinasien, deshalb wohl der lateinische Name Prunus persica, auf Deutsch «persische Pflaume», und wurde von den Römern im ersten Jahrhundert n. Chr. nach Italien und Südfrankreichimportiert. Pfirsichkerne aus der Römerzeit wurden aber auch an manchen Orten in Deutschland, Österreich und in Vindonissa im Aargau gefunden, weshalb angenommen wird, dass die Römer den Pfirsich mit in ihre Siedlungen nördlich der Alpen brachten. Da Pfirsiche zu deren Zeit nicht über so weite Strecken transportiert werden konnten, wird vermutet, dass diese Früchte schon damals in gewissen Gegenden diesseits der Alpen angebaut wurden. Der deutsche Name «Pfirsich» ist vermutlich eine Ableitung aus dem lateinischen persica4.

Pfirsich ist reich an Vitamin C und weiteren Vitaminen und Mineralien. Das aus dem Kern gewonnene Öl wird in der Volksheilkunde bei Magen-Darmentzündungen eingesetzt und als Speiseöl, als Salbengrundlage in der Kosmetik sowie als Schmieröl in der Feinmechanik verwendet. Die Traditionelle Chinesische Medizin verwendet den Pfirsich auf unterschiedliche Arten, so soll beispielsweise ein aus den Blättern hergestellter Sud bei Cholera und Typhus helfen oder Auszüge aus den Samen bei Schüttelfrost und Blutungen; ein Auszug aus den Blüten soll harntreibend und beruhigend wirken. Der Pfirsich und seine Blüte sind in China Symbol für Fruchtbarkeit und langes Leben. Die Blüte steht auch für Unsterblichkeit. Neben der Mandarinente und dem Granatapfel (Punica granatum) ist der Pfirsich das häufigste Symbol auf Hochzeitsgeschenken, früher hatte die Pfirsichblüte sogar einen Einfluss auf die Terminplanung der Feste. Daneben wehren Pfirsich und Pfirsichbaumholz Dämonen ab, an Neujahrsfesten werden aus diesem Grund oftmals grosse Pfirsichmänner aufgestellt. Der Pfirsich ( Táo) repräsentiert im alten China den dritten Monat des Jahres und steht hier auch für Erneuerung5. Im europäischen Mittelalter wurde der Frucht von Albertus Magnus (1200 – 1280) eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben6.

Ursprung und Bedeutung der Aprikose

Wie der Pfirsich ist auch die Aprikose eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt und wird bereits seit vielen Jahrhunderten in Nord-, West- und Zentralasien kultiviert, in China vermutlich seit dem dritten Jahrhundert v. Chr. Die Aprikose ist wahrscheinlich über Persien, Armenien und Griechenland in das antike Rom gekommen, auch hier ist der lateinische Name nur durch die Zwischenstation begründet. Der deutsche Name stammt nach linguistischen Forschungen vermutlich vom lateinischen praecocqua aus praecox, was so viel wie «frühzeitig» bedeutet und auf die für gewisse Sorten frühe Erntezeit im Jahr hindeutet. Der Name sei, so die Forscher, mit dem arabischen Artikel «al» versehen und über das spanische albariqcoque ins Deutsche übertragen worden7. Aprikosen sind reich an Mineralstoffen wie Calcium, Phosphor und Eisen sowie an Vitamin A und Fruchtsäuren. Wie das Pfirsichkernöl wird auch das Öl aus Aprikosenkernen gerne in der Kosmetik und als Schmieröl verwendet. Traditionell wird die Frucht zu Gelée und Konfitüre verarbeitet und ist so Zutat für manch süsses Gebäck. Sowohl Pfirsich als auch Aprikose werden zu Spirituosen verarbeitet, wie der aus Aprikosenkernöl destillierte Amaretto.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin helfen Auszüge aus den Kernen bei Asthma, Bronchitis und sogar Tumoren und wirken beruhigend, hustenstillend sowie schleim- und krampflösend. In der chinesischen Mythologie steht die Aprikose (Xìng) für den zweiten Monat im Jahr und ist Symbol für die weibliche Schönheit. Im alten Rom hatte die Frucht, ähnlich wie die Feige, eine erotische Konnotation5. Obwohl Aprikose und Pfirsich warmes Klima und eher trockene Böden bevorzugen, werden sie beide bei uns in der Schweiz angebaut. Die Hauptanbaugebiete liegen allerdings in den Ländern der Mittelmeerregion. Das bedeutendste Anbaugebiet für Aprikosen ist die Türkei. Aprikosen werden in der Schweiz hauptsächlich im Wallis angebaut. In der Region um Saxon kann man sich während einer Wanderung durch Walliser Aprikosenhaine auch wunderbar erholen8. Hüten sollte man sich allerdings vor zu hohem Konsum ihrer Kerne. Diese enthalten eine nicht unerhebliche Menge an Blausäure, was besonders bei kleinen Kindern zu Vergiftungen führen kann.

 

Quelle

Andreas Bärtels: Steinobst. Blüten und Früchte. Hep verlag ag; 2017.

Bibliografie

  1. Reißer W, et al.: Pflanzenanatomischer Grundkurs. Module für die differenzierte Gestaltung. 2. Aufl. Springer; 2019.
  2. Fernández V, et al.: New Insights into the Properties of Pubescent Surfaces: Peach Fruit as a Model. Plant Physiology 2011; 156: 2098 – 2108.
  3. Hayama H, et al.: Ethylene-regulation of fruit softening and softening-related genes in peach. Journal of Experimental Botany 2006; 57(15): 4071 – 4077.
  4. Kluge F: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 24. Aufl. De Gruyter; 2002.
  5. Julien N: The Mammoth Book of Lost Symbols. A Guide to the Language of Symbolism. Constable & Robinson Ltd; 2012.
  6. Chwalkowski F: Symbols in Arts, Religion and Culture. The Soul of Nature. Cambridge Scholars Publishing; 2016.
  7. Bärtels A: Steinobst. Blüten und Früchte. Hep verlag ag; 2017.
  8. Région Martigny: Sentier de l’abricot. www.martigny-region.ch. Zuletzt abgerufen am 2. April 2020.

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