«In der Onkologie erreicht man viel mehr Heilung als bei anderen endogenen Krankheiten»

Prof. Dr. med. Daniel Betticher, Chefarzt der Onkologie am Kantonsspital Fribourg, arbeitet leidenschaftlich gern. Deshalb fährt er mit dem Auto zur Arbeit, denn er ist oft so früh unterwegs, dass noch keine Busse fahren. Privat liebt er die Berge und Hügel rund um seine Heimatstadt, Vivaldi und Spaghetti bolognese.

Dr. med. Eva Ebnöther im Gespräch mit… Prof. Dr. med. Daniel Betticher

OncoMag: Prof. Betticher, hatten Sie als Bub ein Doktorköfferchen?

Prof. Dr. med. Daniel Betticher: Ja! Ich wollte schon als Kind Arzt werden, um Menschen helfen zu können. Später, im Gymnasium, war mein Berufswunsch immer noch Arzt, gleichzeitig wollte ich aber auch unterrichten. Deshalb dachte ich, ich sollte Lehrer werden, vielleicht für Mathematik. Oder Latein. Ich habe eine Matur mit Latein und Griechisch gemacht. Letztlich habe ich dann aber doch Medizin studiert und wurde Internist.

Können Sie noch griechisch?

Ich kann die Schrift lesen, aber alles andere ist vergessen.

Wann entwickelte sich Ihr Interesse an der Onkologie?

Als ich nach dem Studium an der Uni Fribourg in der Physiologie forschte. Nach sechs Jahren Studium hatte ich das Gefühl, ich würde noch ganz viele Dinge nicht verstehen. Ich wollte näher an die Krankheiten herankommen und ging deshalb in die Forschung. Und weil ich mich für Blut interessierte, forschte ich im Bereich Hämatologie. Ich wollte auch Onkologe werden, weil Krebs eine schwere Krankheit ist und man den Patienten wirklich helfen kann. Den Facharzttitel gab es zu dieser Zeit aber noch nicht. Also machte ich die Ausbildung zum Internisten mit Subspezialität Hämato-Onkologie.

Welchen Stellenwert hatte – und hat – für Sie die Forschung?

Die zwei Jahre Forschung waren für mich eine super Zeit, und ich weiss, dass ich dank meiner Forschungstätigkeit die Patienten auch besser beraten und behandeln kann. Ich bin davon überzeugt, dass ein tieferes Verständnis der Krankheiten vorhanden sein muss, damit man gut therapieren kann. Eigentlich ist das logisch. Aber dieses Konzept wurde ein bisschen verlassen. Man geht heutzutage eher hin und sagt: «Das ist eine Pneumonie – wie sind die Guidelines für die Behandlung einer Pneumonie?». Dafür braucht es aber keinen Arzt, das kann auch ein Computer erledigen. Deshalb bin ich kein grosser Fan von Guidelines. Ich finde es wichtig, dass die jungen Ärztinnen und Ärzte sich ein besseres Verständnis der Krankheiten aneignen, zum Beispiel mit Forschung. Auch bin ich der Meinung, dass jeder Arzt eine Dissertation schreiben sollte, damit er wenigstens einmal in seinem Leben eine Hypothese aufgestellt hat, die er verwirft oder unterstützt.

In welchem Bereich forschen Sie heute?

Ich mache klinische Forschung und interessiere mich da-für, wie wir bei Krebspatienten die Therapie verbessern können, im Sinne der Erhaltung von Lebensqualität und der Behandlung von Symptomen. Diese Arbeit geht nur multizentrisch und zusammen mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für klinische Krebsforschung, SAKK. Es ist sehr wichtig, dass man in einem Netzwerk das Verständnis erweitern und von den Kenntnissen der anderen profitieren kann. Grundlagenforschung habe ich inzwischen aufgegeben. Diese machte ich noch, als ich in Bern am Unispital arbeitete, aber in Fribourg war das nicht möglich.

Hatten Sie nie den Wunsch nach einer eigenen Praxis?

 Ich hätte die Möglichkeit gehabt, aber ich wollte lieber im Spital bleiben, weil man dort forschen und unterrichten kann. Die beiden Aktivitäten gehören zusammen: Man kann nicht unterrichten, ohne gleichzeitig zu forschen. Denn wenn man forscht, ist man an der Front, und man muss an der Front sein, um zu unterrichten, sonst hinkt man hinterher. Teaching mache ich sehr gern – mit Studierenden, Assistenz- und Oberärzten. Teaching war ein wichtiger Grund, warum ich am Spital geblieben bin.

Die Onkologie hat sich stark verändert, seit Sie angefangen haben, in diesem Fach zu praktizieren. Wie haben Sie das erlebt?

Vor 30 Jahren hatten wir einige Chemotherapie- Protokolle. Und wir freuten uns über Fortschritte wie Kombinations- Chemotherapien, Chemotherapien, die nicht zum Haarverlust führten oder Chemotherapien mit weniger Erbrechen, weil damit die Lebensqualität der Patienten besser wurde. Aber das Überleben der Patienten verbesserte sich kaum, das war frustrierend. Dann kamen die zielgerichteten Therapien, wieder ein wunderbarer Fortschritt! Die Patienten tolerierten die Medikamente sehr gut und lebten etwas länger. Aber Heilung? Nein! Das war eine grosse Enttäuschung für uns Onkologen. Ab 2010 kamen die Immuntherapien. Jetzt sehen wir, dass wir die Patienten nicht heilen werden, indem wir alle Tumorzellen vernichten, sondern es gibt die Möglichkeit, dass die Patienten mit dem Krebs lange und gut leben. Das finde ich fantastisch! Manche meiner Patienten sagen: «Seitdem ich die Therapie mache, fühle ich mich wie früher, bevor ich die Krebsdiagnose hatte.» Oder: «Seit drei Jahren geht es mir tipptopp – ich komme regelmässig hierher zum Kaffee trinken, und gleichzeitig läuft halt noch eine Infusion.» Ich bin sehr glücklich, das zu erleben, und hoffe sehr, dass wir noch mehr Patienten in diesen Zustand bringen können. Bei Kombinations-Immunotherapien sehe ich die Hoffnung.

Die Onkologie ist auch viel komplizierter geworden …

Ein Onkologe allein in einer Praxis kann nicht mehr den Überblick behalten. Er kann nicht mehr eine akute Leukämie und einen neuroendokrinen Tumor und ein ALK- positives Lungenkarzinom in der Drittlinie behandeln. Deshalb ist es wichtig, im Team zusammenzuarbeiten. Im Kanton Fribourg sind wir gut aufgestellt. Wir, eine Gruppe von zehn Onkologen, entwickeln unsere Therapie-Protokolle ständig weiter. Und wehe, wenn das einer nicht so macht, wie der Team- Spezialist entschieden hat! In Fribourg beschliessen wir gemeinsam, wann und wie wir die Behandlungsstrategien ändern. Jeder beteiligte Onkologe überwacht ein bestimmtes Fachgebiet, ich beispielsweise die Lungenkarzinome. Und jeder im Fribourg-Netzwerk kann bei Fragen jederzeit den Spezialisten für einen bestimmten Tumor anrufen. So ist die Behandlung eines Patienten definiert durch ein Team und nicht durch einen einzelnen Onkologen. So sollte Onkologie heute gemacht werden.

Wie ist die onkologische Versorgung im Kanton Fribourg organisiert?

Das Kantonsspital ist der Mittelpunkt eines Netzwerks, bestehend aus verschiedenen Spitälern und Ambulatorien. Ich bin der Meinung, der Patient sollte die beste Therapie so nah wie möglich an seinem Zuhause bekommen. Denn Krebs ist eine Alterskrankheit, und viele ältere Patienten wollen nicht noch 50 km weit herumfahren, um eine Chemo- oder Immuntherapie zu bekommen. Deshalb sind unsere Ärzte mobil, sie arbeiten tageweise in Riaz, Payerne oder Murten. Aber die Basis ist hier in Fribourg, wo Weiter- und Fortbildung, Tumorboards und klinische Forschung stattfinden. Auch die Medikamente werden hier im Kantonsspital gerichtet, nicht im peripheren Spital, da-mit die Qualität gleichbleibend hoch ist. Auf diese Weise können wir die bestmögliche Therapie in der Peripherie anbieten.

Wie viele Ihrer Patienten müssen Sie weiter-schicken, weil sie eine hochspezialisierte Behandlung benötigen?

Stammzelltransplantationen und CAR-T-Zell-Therapien machen wir hier nicht, dafür gehen die Patienten nach Bern, Lausanne oder Genf. Auch Sarkom-Patienten, bei denen eine Operation nötig ist, werden in Bern oder Lausanne behandelt, je nach Muttersprache. Patienten mit Tumoren des Ösophagus, des Pankreas oder der Leber werden infolge der Regelungen für die hochspezialisierte Medizin ebenfalls den Uni-Spitälern für den Eingriff zugewiesen. In Fribourg haben wir ein Brust- und ein Prostatazentrum, und wir sind dabei, weitere Zentren zu schaffen. Das ist auch notwendig, weil die Patientenzahlen stetig steigen: In sieben Jahren hat sich die Zahl der Krebspatienten verdoppelt! Das heisst, wir brauchen auch doppelt so viel Personal und doppelt so viel Platz, damit wir eine gleichbleibend hohe Qualität der Behandlung anbieten können. Warum gibt es so viel mehr Patienten? Erstens hat die Bevölkerung im Kanton in den letzten Jahren stark zugenommen. Zweitens kommen die geburtenstarken Jahrgänge, die Babyboomer, jetzt ins Alter, in dem sie Krebs entwickeln. Und drittens leben die Patienten heute länger mit dem Krebs und sie brauchen mehr Therapien – und sie werden geheilt und bekommen später noch eine zweite Krebskrankheit. Pro Jahr haben wir eine Zunahme der Krebstherapien von 10 %. Das ist sehr viel! Aber genau das wollen wir ja auch: Dass die Patienten bei guter Lebensqualität möglichst lange mit dem Krebs leben können.

Erinnern Sie sich an einen Patienten mit einem besonders eindrücklichen Verlauf?

Im Jahr 2002 behandelte ich eine 80-jährige Frau mit einem Lungenkarzinom, schlecht beieinander, Mühe mit dem Atmen. Sie sagte, sie wolle nochmals nach Rom, dieses Ziel habe sie noch im Leben. Ich empfahl ihr, so-fort zu gehen. Also ging sie nach Rom, und als sie nach zwei Wochen in noch schlechterem Zustand zurückkam, meinte sie, sie habe jetzt mit dem Leben abgeschlossen. Eine Chemotherapie kam nicht in Frage, und so gab ich ihr Gefitinib – wir wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass manche Patientinnen und Patienten in der zweiten Linie sehr gut darauf ansprechen, wir wussten aber nichtwelche. Schon eine Woche später ging es der Patientin viel besser. Und nach zwei Wochen sahen wir im Thoraxröntgenbild, dass der Tumor einfach geschmolzen war, wie Schnee an der Sonne!

Wie lange hat sie noch gelebt?

Fünf Jahre. Sie starb dann an einem Hirnschlag, nicht am Lungenkrebs. Damals wussten wir noch nichts über EGFR- Mutationen, aber eine solche lag bei dieser Patientin sicher vor, weil sie so überdurchschnittlich gut auf Gefitinib reagierte.

Sie machen viele unterschiedliche Dinge, Chefarzt, Forschung, Teaching. Haben Sie eine Lieblingstätigkeit?

Die Arbeit mit den Patienten. Ich bin jeden Tag etwa 3–4 Stunden mit den Patienten zusammen, und das ist für mich wie Erholung. Ich entwickle auch gern neue Dinge. Mir war früh klar: Man kann als Kaderarzt nur im Spital bleiben, wenn man weiss, wie man leitet und die Gesetze und Direktiven versteht und eine Buchhaltung lesen kann. Deshalb habe ich mein Studium mit einem Master in Health Administration in Bern ergänzt, drei Jahre lang, das war wirklich gut. Etwas völlig anderes als Medizin, aber auch spannend. Und für mich heute sehr wichtig.

Gibt es etwas, das Sie nicht gern machen?

Konflikte lösen. Ich bin immer enttäuscht, wenn Leute sich nicht verstehen. Konfliktlösung ist eine der schwierigsten Arbeiten und braucht sehr viel Energie.

Sind Sie ein guter Mediator?

Das wichtigste in solchen Situationen ist, dass man sich Zeit nimmt. Eine Stunde lang zusammensitzen und eine Woche später wieder eine Stunde zusammensitzen. Ich glaube, wenn man sich Zeit nimmt und individuell auf die involvierten Personen eingeht, hat man gute Resultate. Leider ist Zeit oft Mangelware.

Was machen Sie als Präsident der «Swiss Academy of Multidisciplinary Oncology» (SAMO)?

Teaching-Organisation. Die SAMO hat sich zum Ziel gesetzt, multidisziplinär zu sein. Ärztinnen und Ärzte der Bereiche Onkologie, Hämatologie, Radioonkologie, Chirurgie, Pathologie etc. sollen ein paar Mal pro Jahr zusammensitzen und Netzwerke bilden und miteinander reden. Dafür muss man gemeinsam einen Abend verbringen. Deshalb finden die Seminare von Freitagmittag bis Samstagmittag in einem Hotel statt, so dass die Teilnehmer genügend Gelegenheit haben, miteinander zu sprechen. Dieses Angebot hat sich sehr gut entwickelt, wir führen jetzt vier Workshops pro Jahr durch, immer zu einem bestimmten Onkologie- Thema.

Halten Sie selbst an den SAMO-Veranstaltungen auch Vorträge?

Ja, aber ich möchte, dass das mehr und mehr die Jüngeren übernehmen. Denn derjenige, der am meisten von einem Vortrag profitiert, ist der Referent

Was machen Sie ausser arbeiten sonst noch gern?

Reisen. Eigentlich ist es hier in Fribourg so schön, dass ich auch hier Ferien machen könnte – ich empfehle jedem, nach Fribourg zu kommen! Aber wenn ich hier bin, dann arbeite ich, ich kann mich nicht loslösen und schaue ständig Mails an, bastle an Vorträgen und Vorlesungen. Deshalb muss ich, wenn ich mal ein paar Tage frei sein will, irgend-wohin gehen, wo es kein W-LAN hat. Vor ein paar Jahren hatten wir eine grosse Diskussion um den Namen des Spitals: Soll es nun Kantonsspital heissen oder Freiburger Spital? Diese Diskussion hat mich wahnsinnig aufgeregt, aber dann ging ich nach Namibia in die Ferien, und nach drei Tagen dachte ich: «Ist doch egal – worüber reden wir da überhaupt?». Die Distanz gibt einem die Möglichkeit, auch geistig Abstand zu bekommen, und dann sieht man die Sache vielleicht plötzlich anders. Ich wandere auch sehr gerne, vor allem hier in den Voralpen. Auch beim Wandern kann ich den Kopf gut lüften.

In Fribourg sind ja viele Menschen bilingue. Wie ist das bei Ihnen?

Die Muttersprache meines Vaters war deutsch, er konnte aber Französisch. Meine Mutter war französischer Muttersprache, hatte aber die deutsche Primarschule besucht. Meine Brüder und ich gingen in deutschsprachige Schulen, und bald gab es zuhause ein Birchermüesli, einen Mix aus deutsch und französisch. Das gefiel uns allen nicht, und so beschlossen wir, nur noch französisch zu reden. Also sprachen wir französisch zu Hause und deutsch in der Schule. Deshalb sind meine Brüder und ich komplett bilingue.

Und Ihre Kinder?

Meine Frau und ich wollten das mit unseren Söhnen genau gleich machen: französisch zu Hause und deutsch in der Schule. Als die Kinder in die Primarschule gingen, wohnten wir in Bern, also redeten sie Berndeutsch und lernten Hochdeutsch vom Fernsehen – und plötzlich sprachen sie französisch mit einem deutschen Akzent! Da sprach meine Frau, die französischsprachig ist, ein Machtwort: «Nein, die müssen akzentfrei französisch reden.» Also zogen wir um nach Fribourg, obwohl ich hier noch gar keine Stelle hatte. Zwei Monate später sprachen meine Söhne wieder französisch ohne Akzent, obwohl sie in eine deutsche Schule gingen. Auf dem Schulweg redeten sie mit den Kameraden von der deutschen Schule französisch. Interessanterweise haben meine Söhne, die inzwischen erwachsen sind, den Berner Dialekt beibehalten, ich selbst spreche Freiburger Dialekt. Ich finde, alle Kinder sollten drei Sprachen ganz jung lernen, davon profitieren sie massiv.

Haben Sie einen Lieblingsort, an dem Sie gerne leben würden, wenn Sie nicht gebunden wären?

Dieser Lieblingsort ist Fribourg. Mit der Familie habe ich einmal anderthalb Jahre in Manchester gelebt – und plötzlich bekam ich Heimweh. Vorher konnte ich mir das gar nicht vorstellen: Heimweh? Was soll das sein? Aber ich bekam Sehnsucht nach den Bergen, den Hügeln und danach, den Horizont sehen zu können. Konnte man den in Manchester nicht sehen? Nein, dort ist es flach, man sieht nichts am Horizont. Die Berge haben mir wahnsinnig gefehlt. Ich fühlte mich wie von einem Magnet in die Schweiz gezogen und wollte auf jeden Fall wieder hier leben.

Haben Sie nicht auch den Vacherin vermisst?

Den Vacherin nicht, aber die Schoggi. Ich esse eigentlich nicht viel Schoggi, aber wahrscheinlich steckt mir das trotzdem irgendwie in den Genen. In Manchester habe ich gemerkt, dass ich hier in Fribourg verwurzelt bin – und deshalb bin ich zurückgekommen. Bern ist auch schön, ich habe dort lange gelebt, aber meine Adoleszenz erlebte ich in Fribourg und dorthin wollte ich zurück.

Haben Sie einmal einen Tipp bekommen, der Ihr Leben verändert hat?

Ja, er stammt von den damaligen Chefärzten der Onkologie Bern, Prof. Brunner und Prof. Fey: «Man muss bei jedem Patienten ein erreichbares Ziel anstreben.» Das hat mir eingeleuchtet. Man muss sich – oder gemeinsam mit dem Patienten – ein Ziel setzen, ob dies nun die Heilung oder eine bessere Lebensqualität ist. Der Patient soll wissen, was er erwarten kann. Wer sich unerreichbare Ziele setzt, wird nur frustriert und steuert auf ein Burnout zu. Wenn mich Leute fragen, wie ich es in der Onkologie nur aushalten könne, mit all den schwer kranken Patienten, dann sage ich: «Zusammen mit dem Patienten setzen wir uns erreichbare Ziele, deshalb ist diese Arbeit sehr befriedigend.» Zudem ist die Onkologie ein Fach, in dem man viel mehr Heilungen erreichen kann als in anderen Disziplinen, in denen auch endogene Krankheiten behandelt werden. Ich habe jedenfalls noch nie einen Kardiologen gesehen, der eine Herzinsuffizienz geheilt hat. Oder einen Endokrinologen, der Diabetiker heilt.

Bis zu Ihrer Pensionierung dauert es ja nur noch wenige Jahre. Haben Sie Pläne für die Zeit danach?

Keine konkreten. Ich werde aber garantiert keine Praxis aufmachen. Ich will aber in verschiedenen Gremien im Gesundheitswesen aktiv bleiben, zum Beispiel in der Krebsliga Fribourg – falls sie mich dann noch wollen.

Freuen Sie sich auf die Pensionierung oder sind Sie eher skeptisch?

Ich sehe das positiv, es ist eine neue Lebensphase. Schon jetzt sind meine Frau und ich wieder viel mehr zu zweit, denn unsere Söhne brauchen uns nicht mehr. Momentan arbeiten wir noch, später werden wir weniger arbeiten und mehr den Garten geniessen und einfach – sein. Wenn ich die Patienten frage, wie es so ist als Pensionierter, sagen viele: «Fantastisch! Ich habe viel weniger Zeit als früher.»

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