Die Onkologie-Highlights 2019: Interview mit Prof. Dr. med. Ueli Güller

Das vergangene Jahr brachte bahnbrechende Fortschritte unter anderem in der Therapie von Bronchuskarzinom, Nierenzellkarzinom, Prostatakarzinom und hepatozellulärem Karzinom. Prof. Dr. med. Ueli Güller, MHS, FEBS, Chefarzt Onkologie- und Hämatologiezentrum des Spitals Thun und Berner Oberland, erläutert seine persönlichen Onkologie-Highlights 2019.
OncoMag: Prof. Güller, wir sprechen nun schon zum dritten Mal über die Onkologie-Highlights des vergangenen Jahres...

Prof. Dr. med. Ueli Güller: ...und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, die interessantesten Studien eines Jahres auf die fünf bis sechs wichtigsten zusammenzufassen. Es gibt immer mehr spannende und practice-changing News aus der Onkologie. Einerseits ist das natürlich toll, denn wir haben immer mehr therapeutische Optionen. Aber es ist eine Herausforderung für uns Onkologen, weil sich oft die Therapiealgorithmen nicht mehr jährlich, sondern nicht selten halbjährlich oder sogar noch häufiger ändern.

Welche Studien zum Bronchuskarzinom haben Sie im letzten Jahr beeindruckt?

Da ist zunächst die FLAURA-Studie. Systemtherapie-naive Patienten mit metastasiertem NSCLC und aktivierender EGFR-Mutation wurden 1: 1 randomisiert zu Osimertinib, einem irreversiblen EGFR-Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) der dritten Generation, und im anderen Arm zu einem Erstgenerations-EGFR-TKI, Gefitinib oder Erlotinib. Die PFS-Daten wurden schon 2018 publiziert und zeigten einen deutlichen Nutzen von Osimertinib bei der gesamten Studienpopulation, aber auch bei Patienten mit Hirnmetastasen1. Die neusten Daten zeigen nun auch einen Benefit beim Gesamtüberleben (OS) von rund sieben Monaten. Das mediane OS beträgt 38,6 Monate mit Osimertinib versus 31,8 Monate mit einem Erstgenerations-TKI2. In der Subgruppe der nicht-asiatischen Patienten war die Gesamtüberlebensdifferenz mit einer Hazard Ratio von 0,54 sogar noch relevanter. Osimertinib ist der erste EGFR-TKI beim NSCLC, bei welchem sich ein Überlebensvorteil in der Erstlinien-Therapie findet. Und dies trotz eines Cross-overs von 47%: Patienten im Standard-Arm konnten bei einem Krankheitsprogress vom Erstgenerations-TKI zu Osimertinib wechseln, falls bei ihnen die T790-Resistenz-Mutation nachgewiesen wurde.

Wie viele Patienten mit einem NSCLC können von dieser Therapie profitieren resp. wie viele haben eine EGFR-Mutation?

Das hängt sehr stark von der Region ab. In Asien finden sich mehr Patienten mit einer aktivierenden EGFR-Mutation als in Europa und Nordamerika, und Nichtraucher haben die Mutation häufiger als Raucher. Die höchste Rate an EGFR-Mutationen findet sich bei asiatischen Frauen, die nie geraucht haben. Für die Schweiz schätze ich, dass rund 10–15% der Patienten eine EGFR-Mutation haben, diese ist also nicht selten.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Printausgabe von OncoMag 2/2020 (Seite 36), die Bibliografie zum Text hier.

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