Lernen mit Krebs zu leben

Der Verein AVAC organisiert seit 1999 Kurse für Krebsbetroffene und ihre Angehörigen. Das Informations- und Unterstützungsprogramm «Lernen mit Krebs zu leben» wird von Fachpersonen aus der Onkologiepflege geleitet. OncoMag sprach mit Frédéric Fournier, Generalsekretär von AVAC, über die Gründung, das Engagement und die Ziele des Vereins.

Athena Tsatsamba Welsch im Gespräch mit... Fréderic Fournier

Herr Fournier, wofür steht der Verein AVAC?

AVAC ist die Abkürzung für «apprendre à vivre avec le cancer» und steht für «Lernen mit Krebs zu leben». Unser Verein organisiert seit 1999 Kurse für Personen, die an Krebs erkrankt sind. Familienangehörige können ebenso daran teilnehmen.

Wer hat das Leitbild «Lernen mit Krebs zu leben» geprägt?

«Lernen mit Krebs zu leben» ist ein europäisches Informations- und Unterstützungsprogramm, das Gertrud Grahn in Schweden initiiert hat. Die ehemalige Pflegefachfrau hat ihre Doktorarbeit an der Universität Lund zu diesem Thema verfasst. In Zusammenarbeit mit Betroffenen hat sie mehr als 1135 Fragebögen ausgewertet und 97 ausführliche Einzelgespräche geführt. Auf dieser Grundlage hat Gertrund Grahn ein Konzept zur Schulung und Unterstützung von Menschen erarbeitet, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Wir haben die Rechte für das Kursprogramm in der Schweiz erhalten und den Verein AVAC gegründet.

Was sind die Ziele des Vereins?

Einerseits möchten wir das wissenschaftlich und pädagogisch fundierte europäische Informations- und Unterstützungsangebot in der Schweiz etablieren. An Krebs erkrankte Menschen und deren Angehörige sollen Zugang zu den Kursen erhalten, die speziell von ausgebildeten Pflegefachpersonen in Zusammenarbeit mit direkt und indirekt Betroffenen ausgearbeitet wurden. Jedes Jahr führen wir bis zu 20 Kurse durch, in denen sich die Teilnehmenden informieren und austauschen können.

Andererseits möchten wir spezialisierten Fachpersonen aus der Onkologiepflege eine Ausbildung ermöglichen, damit sie das Programm in Spitälern und Krebsligen durchführen können. Dafür bieten wir jedes Jahr einen viertägigen Ausbildungskurs in der Westschweiz, Genf oder Fribourg, und alle drei Jahre einen in der Deutschschweiz an. Eine weitere Vorraussetzung für die Leitung der Kurse ist eine Vereinsmitgliedschaft. Bis heute wurden mehr als 200 spezialisierte Pflegefachpersonen für die Organisation und Begleitung dieser Kurse ausgebildet.

Welche Intention verfolgen Sie mit den Kursen?

Wer mit einer Krebserkrankung konfrontiert wird, hat das Recht, unterstützt zu werden. Das Informations- und Unterstützungsprogramm basiert auf wissenschaftlich erfassten Bedürfnissen von Betroffenen und Angehörigen und berücksichtigt die Grundlagen der Erwachsenenbildung und der Krankenpflege. Durch eine umfassende Aufklärung können Betroffene die Erkrankung besser verstehen und bewältigen. Wir klären nicht nur auf, sondern wir bieten auch eine emotionale Unterstützung in dieser veränderten Lebenssituation.

Was lernen die Teilnehmenden in den Kursen?

An acht Abenden erfahren die Teilnehmenden mehr über Krebs, die Behandlung und die Bewältigung der Erkrankung. Jeder Abend hat ein anderes Schwerpunktthema. Dank der Informationen können die Teilnehmenden besser nachvollziehen, was auf sie zukommt. Im Laufe des Kurses lernen sie zudem Menschen kennen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Auch der persönliche Austausch mit Fachpersonen wie Onkologen, Radioonkologen, Ernährungsberatern, Sozialarbeitern, Körper- und Kunsttherapeuten kann ihnen die Ungewissheit und Angst nehmen, mit einer Krebserkrankung zu leben.

Gibt es eine Teilnehmerbeschränkung?

Der Kurs richtet sich an direkt und indirekt Betroffene, unabhängig von der Tumorart und unabhängig vom Stadium der Erkrankung. Es können auch Personen teilnehmen, die als geheilt gelten und das Durchlebte verarbeiten möchten. Bis zu 20 Personen können einen Kurs besuchen. Die Kurskosten inklusive Einschreibungsgebühr und Materialkosten betragen 100 Franken für acht Informationsabende.

Die Krebsliga Schweiz hat AVAC im Jahr 2012 geehrt. Wofür wurde Ihr Verein ausgezeichnet?

Die Krebsliga hat uns einen Anerkennungspreis für unser Engagement zugunsten von Krebsbetroffenen und ihren Nächsten verliehen. Mehr als 3500 Menschen in der Romandie und der Deutschschweiz haben bereits an unseren Kursen teilgenommen. Damit ermöglichen wir Betroffenen, die veränderte Lebenssituation besser bewältigen zu können. Die Auszeichnung hat unsere Mitglieder angespornt, sich noch mehr zu engagieren. Zugleich gab uns dieser Preis neue Impulse für die Zukunft.

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