«Ich biete nur Behandlungen an, die ich als schön empfinde» 

Ursprünglich wollte sie Kardiologin werden, durch Zufall ist sie zur Dermatologie gekommen. In Kilchberg und Zürich Enge führt Dr. med. C. Bettina Rümmelein zwei Praxen für ästhetische Dermatologie mit insgesamt 25 Mitarbeitenden. Im Interview verrät Bettina Rümmelein, warum sie sich auf die ästhetische Dermatologie und Lasermedizin spezialisiert hat und trotzdem nicht jede ästhetische Behandlung anbietet.

Athena Tsatsamba Welsch im Gespräch mit ... Dr. med. C. Bettina Rümmelein

SkinMag: Dr. Rümmelein, wie läuft ein normaler Arbeitstag bei Ihnen ab?

Dr. med. C. Bettina Rümmelein: Bevor die Sprechstunde um 8 Uhr beginnt, gehe ich jeden Morgen um 7 Uhr eine halbe Stunde mit meinen Hunden spazieren. Anschliessend fahre ich in die Praxis nach Kilchberg. Am Standort Zürich Enge arbeiten wir mittwochs im Schichtbetrieb von 7 bis 20 Uhr und samstags sogar bis mittags. Mittwochs findet in Enge auch unsere Teamsitzung statt. Nach der Sprechstunde erledige ich um 18 Uhr noch administrative Aufgaben. Gegen 19 Uhr fahre ich in der Regel nach Hause. 

Wollten Sie schon immer Ärztin werden?

Nein, ich stamme aus einer Lehrerfamilie. Meine Eltern waren beide in der Erwachsenenbildung tätig, meine Mutter als Hauswirtschaftslehrerin und mein Vater als Schulleiter in einer Polizeischule in Hamburg. Nach dem Abitur habe ich zur Orientierung verschiedene Praktika absolviert, eines in einer Rechtsanwaltskanzlei. Ich hatte Mühe damit, dass die Wahrheit und das geschickte Vorbringen von Argumenten nicht immer übereinstimmen. Während eines weiteren Praktikums beim Zahnarzt stellte ich fest, dass mir das Behandeln von Patienten, die genauso viel Angst vor Spritzen hatten wie ich, mir Freude bereitete. Obwohl ich als Kind kein Blut sehen konnte und nicht einmal in der Lage war, jemandem ein Pflaster aufzukleben, habe ich mich für ein Medizinstudium entschieden. Allerdings hatte ich eine unschöne Vorklinikzeit. 

Warum?

Die naturwissenschaftlichen Fächer habe ich in der Oberstufe als erstes abgewählt, auch wenn ich eine sehr gute Schülerin war. Daher fehlte mir das Wissen der Grundlagenfächer im Grundstudium. Das Physikum habe ich gerade so bestanden, dafür beim ersten Versuch. Für mich war das damals aber eine Katastrophe. Als die klinischen Fächer begannen, wurden die Noten immer besser, mein 3. Staatsexamen habe ich mit einer 1 nach deutschem Notensystem abgeschlossen. Allerdings war die Studienzeit sehr intensiv, weil ich nebenbei gearbeitet habe. 

Was haben Sie genau gemacht?

Während des Studiums habe ich eine Ausbildung als Hilfskrankenschwester des Deutschen Roten Kreuzes absolviert und 4,5 Jahre auf der Intensivstation der Herzchirurgie «gejobbt». Das wäre heute nicht mehr möglich. Ursprünglich wollte ich nach dem ersten Staatsexamen Kardiologin oder Herzchirurgin werden. Ich war davon überzeugt, dass ich etwas Wichtiges machen müsste. 

Wie sind Sie dann zur Dermatologie gekommen? 

Mit meinem Einser-Examen hatte ich mich landesweit überall beworben. Da ich als Jahrgang 1964 der Generation der Baby-Boomer angehöre und keinerlei Kontakte hatte, bekam ich nur Absagen. Auf der Herzchirurgie lernte ich Volker Steinkraus kennen, der heute als Professor für Dermatologie in Hamburg tätig ist. Er erzählte mir, dass er in der Dermatologie beginnen würde und schlug auch mir dieses Fachgebiet vor. Damals klang das für mich eher befremdlich. Mit der Dermatologie assoziierte ich Fusspilz, Schuppen und Ekzeme. Allerdings hatte ich keine wirkliche Wahl. Ich bewarb mich und bekam die Stelle. Innerhalb kürzester Zeit stellte ich fest, wie sehr mich dieses Fachgebiet faszinierte. Im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf war ich von Beginn an in der Pigmentmalsprechstunde und der Hautkrebsvorsorge tätig. Wir haben eine grosse epidemiologische Untersuchung von Hamburger Schülern gemacht, um den Zusammenhang zwischen der Sonnenexposition in der Kindheit und der späteren Muttermalentwicklung zu beurteilen. Ohne Digitalkamera war es ausgesprochen kompliziert, die Patienten mit eingelegten Filmen zu fotografieren und die Fotos anschliessend den richtigen Körperausschnitten zuzuordnen. Als es später technische Lösungen dafür gab, war ich natürlich begeistert. Das erste Gerät, das ich erworben habe, war der Fotofinder für die videografische Hautkrebsvorsorge. Auch bei der Aknebehandlung war das Spektrum der Möglichkeiten längst nicht mit denen von heute vergleichbar, auch wenn Isotretinoin zu jener Zeit neu auf den Markt kam. Heute muss sich niemand mehr vor Aknenarben fürchten. Selbst eingetretene Aknenarben können mit verschiedenen Laserverfahren erfolgreich behandelt werden. Das ist ein grosser Erfolg. 

Was gefällt Ihnen ganz besonders an Ihrer Arbeit? 

Von Neugeborenen bis zu älteren Menschen habe ich mit allen Altersgruppen zu tun, Frauen und Männer gleichermassen. Fachlich fasziniert mich die Vielseitigkeit in alle Richtungen. Einerseits ist die Dermatologie ein feinmotorisches und manuelles Fachgebiet. Ich arbeite sehr gerne mit den Händen – auch im privaten Bereich stricke ich Socken für meinen Mann und meine vier Kinder. Andererseits erfordert die Dermatologie detektivisches Gespür mit der sorgfältigen und wirtschaftlichen Suche nach der Ursache des Krankheitsbildes. Darüber hinaus spielt die Psyche der Patienten eine grosse Rolle. Einen Ausschlag im Gesicht, eine Neurodermitis oder eine Kontaktallergie können Betroffene nicht verbergen. Das ist für sie sehr belastend. In einem nächsten Schritt geht es darum herauszufinden, wie das Krankheitsbild sowohl medizinisch als auch pflegerisch verbessert werden kann. Auch die technische Medizin fasziniert mich sehr. Es ist fantastisch, dass der technologische Fortschritt die Dermatologie sinnvoll ergänzt. Die Künstliche Intelligenz hat bei der Hautkrebsvorsorge Einzug gehalten, dabei werden Patienten mit einem standardisierten Verfahren durch 16 Aufnahmen in bestimmen Positionen abgelichtet. Bei der nächsten Hautkrebsvorsorge nimmt der Patient die gleiche Position ein. Der Computer erkennt nicht nur alle Muttermale, die sich verändert haben, sondern auch neue und kreist diese ein. Hat ein Patient sehr viele Flecken, schlägt der Computer sogar auffällige Hautareale vor. Für mich ist dieser technische Fortschritt ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt. Nicht zuletzt bietet auch die physikalische Medizin ein grosses Behandlungsspektrum mit Laser, dem hochfokussierten Ultraschall, der Radiofrequenz- sowie der klassischen Röntgentherapie. Mit diesen Möglichkeiten können wir bereits viele dermatologische Probleme behandeln oder komplett lösen. 

Zum Beispiel?

Am Anfang meiner Ausbildung hatten wir nicht die gleichen Möglichkeiten wie heute, eine Onychomykose erfolgreich zu behandeln. Es gab zwar Antimykotika, auch kamen die ersten Pilzlacke auf den Markt, aber damalige Monotherapien haben nicht zu den erhofften Ergebnissen geführt. Erst die Kombination der physikalischen Therapie wie das sorgfältige Abtragen des erkrankten Materials durch die Podologie, die zusätzliche Nutzung des Lasers, der die Onychomykose in der Tiefe unter dem Nagel erfasst, die Low-Dose-Therapie mit modernen Antimykotika, die heute fast keine Nebenwirkung mehr hat, sowie das Auftragen des Pilzlackes führen zu einer Erfolgsquote von 95%. Das ist für den Patienten ein fantastisches Ergebnis. 

Die ästhetische Dermatologie und Lasermedizin haben sich in den letzten Jahren zu Ihren Schwerpunktthemen entwickelt. Wie kam es dazu? 

Als ich mit dem vierten Kind schwanger war, habe ich mich 1998 mit einer kleinen, aber eigenen Praxis in Frankfurt selbständig gemacht. Da ich zu jenem Zeitpunkt keine grössere unternehmerische Aktivität gewagt hatte, war ich sehr froh über meine 1,5 Zimmer zur Untermiete bei einem Gynäkologen. Der zweite Patient, der mich konsultierte, fragte mich, was er gegen seine Falten mache könne. Die ästhetische Dermatologie war kein Bestandteil meiner Facharztausbildung, daher hatte ich keine Ahnung von diesem Gebiet. Verzweifelt rief ich einen Kollegen in Berlin an, der bereits ästhetische Medizin anbot, und erkundigte mich, woher er sein Wissen hatte. So begann für mich über Jahre eine andauernde Aus- und Fortbildung in diesem Bereich. In meiner ersten Hospitation in Los Angeles habe ich zum ersten Mal Gesichtsbehandlungen mit Botulinumtoxin beigewohnt. An nur einem Vormittag behandelte der Arzt fünf Patienten damit. In der Mittagspause bin ich vor die Praxis gegangen und habe mir das Türschild genau angeschaut, nur um sicher zu gehen, dass es sich auch wirklich um eine dermatologische Praxis handelte. Schliesslich bin ich mit dem Gefühl nach Hause zurückgekehrt, dass diese Behandlung die Zukunft wäre und ich das unbedingt lernen müsste. Ich habe kontinuierlich Kurse bei Kollegen und Firmen absolviert und nur Behandlungen angeboten, die mir auch sicher erschienen. 

Bieten Sie nicht jede ästhetische Behandlung an?

Mein Credo lautet, dass eine ästhetische Behandlung zwar den Bedürfnissen der Patienten entsprechen muss, ich diese aber als behandelnde Ärztin auch als ästhetisch schön empfinden muss. Aufgeblasene Lippen biete ich daher nicht an. Für mich spricht nichts gegen eine Behandlung, wenn sich ein Patient dadurch wohler fühlt, sofern ich die Gesundheit des Patienten nicht gefährde. Fillerbehandlungen unter den Augen führe ich grundsätzlich nicht durch, weil das Risiko aus meiner Sicht höher ist als der Nutzen. Aus demselben Grund habe ich von Kollagen- und Silikonfillern immer Abstand gehalten. Genauso verhält es sich mit der früheren Hyaluronsäure, die aus Hahnenkämmen gewonnen wurde. Botulinumtoxin und Hyaluronsäure beziehe ich heute von einem grossen Hersteller. Durch eine langsame und seriöse Herangehensweise habe ich damit noch nie eine Nebenwirkung bei Patienten ausgelöst. Auch bei anderen ästhetischen Eingriffen wähle ich diejenige Therapie aus, die für den Patienten nicht nur sicher, sondern auch am komfortabelsten ist. Für die Behandlung von Teleangiektasien verwende ich zum Beispiel den lang-gepulsten Nd:YAG Laser, weil diese Methode viel angenehmer ist und zugleich ein besseres Ergebnis als die Stichelung mit der Diathermienadel zeigt. 

Welche Laserbehandlungen führen Sie am häufigsten in Ihrer Praxis durch? 

Aktuell habe ich 35 Laser – glücklicherweise habe ich keine einzige Fehlinvestition getätigt. Wir führen eine grosse Bandbreite von Laserbehandlungen durch, unter anderem die kosmetische Entfernung von Lentigines mit dem Q-switched NeoDymYAG Laser. Angeborene Feuermale, Hämangiome, Spider Naevi, flush-artige Rötungen, eine rote Nase, erweiterte Äderchen im Gesicht, Couperose bei Rosacea behandeln wir mit Medikamenten oder Wirkstoffkosmetika in Kombination mit spezifischen Laserbehandlungen. Zur Behandlung von Rötungen setzen wir den lang-gepulsten Nd:YAG Laser, den Alexandrit-Laser, den 595 nm Diodenlaser, den IPL Gefässlaser und die Radiofrequenz ein. Wir entfernen auch Tattoos. Auf die Entfernung von misslungenem Permanent Make-up haben wir uns spezialisiert, die wir mit dem Q-switched NeoDymYAG Laser durchführen. Wir behandeln das ganze Spektrum von Narben, darunter OP-Narben, Kaiserschnittnarben, Unfallnarben, Verbrennungen sowie Aknenarben. Darüber hinaus bieten wir alle Verfahren der Rejuvenation an. Für die Straffung der Hautstruktur und die Glättung störender Falten verwenden wir verschiedene Laser, Photorejuvenation (IPL), Radiofrequenz, Microneedling und Infrarot. Mit diesen Methoden gelingt es uns, die Haut schonend und narbenfrei zu behandeln. Bei Aktinischen Keratosen oder einem oberflächlichen Basaliom führe ich eine photodynamische Therapie (PDT) durch. Fortgeschrittene Befunde müssen chirurgisch entfernt und histologisch untersucht werden. 

Was ist bei der Hautpflege nach invasiven Laserbehandlungen zu beachten?

Grundsätzlich verwende ich nur Produkte von Firmen, die auch den aktiven Austausch mit uns Dermatologen suchen. Mit unserer Beratung wählen die Pharmafirmen die jeweiligen Inhaltsstoffe aus, die für eine Wundheilung sinnvoll sind. Zudem muss die Galenik zum jeweiligen Lasereingriff, zur Person und zum Hautareal passen. Nach der Laserablation einer seborrhoischen Keratose braucht es je nach Körperregion eine entsprechende Wundpflege, die sich dem Hautmilieu anpasst. Vernachlässigt der Patient die Hautpflege, führt das zu keinem schönen Ergebnis. Nach der Laserbehandlung eines Melasmas ist ein mineralischer und physikalischer Sonnenschutz unabdingbar. Ohne entsprechenden UV-Schutz führt die Melasmatherapie zu keinem optimalen Ergebnis. Die gründliche Aufklärung der Patienten ist für den Behandlungserfolg sehr wichtig. 

Was war Ihr eindrücklichster Patientenfall?

Bei einer älteren Patientin habe ich ein grösseres Basaliom am Rücken entdeckt. Ich hatte gehofft, es mit einer photodynamischen Therapie behandeln zu können. Die Biopsie ergab, dass eine chirurgische Behandlung notwendig war. Als ich ihr beim Besprechungstermin mitteilte, dass ich das Basaliom entfernen wolle, nahm sie meine Hände und schaute mich an. Dann sagte sie zu mir, dass sie ein metastasiertes Mammakarzinom habe und mit ein wenig Glück noch ein Jahr leben könne. An dem Basaliom werde sie nicht sterben. Sie war OP-Krankenschwester und ihr Mann Chirurg, der bereits verstorben war. Wenn ich ihr einen Gefallen machen wolle, solle ich ihre Altersflecken im Gesicht weglasern, weil diese sie wirklich störten. Ich habe das gemacht. Sie hat sich bei mir sehr dafür bedankt, weil sie ihr verbleibendes Leben besser geniessen konnte.

Sie sind seit 2012 Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für medizinische Laseranwendungen (SGML). Was sind Ihre Aufgaben? 

Ich bin vor allem für die Mitglieder und deren Anliegen zuständig. Unsere Mitglieder stellen meist rechtliche Anfragen und wir machen kleine Beratungen für sie. Darüber hinaus organisiere ich einen Occasionsmarkt für Lasergeräte. Die SGML organisiert auch einen Teil der Grundlagenausbildung wie den Laserbasiskurs, der fünfmal im Jahr stattfindet. Früher war die Präsidentschaft der SGML in der Hand der Allgemeinmedizin. Mit mir als Dermatologin haben wir die Position der Lasermedizin für die Dermatologen gesichert. Ich habe auch einen Sitz in der Laserkomission. Durch meinen Input ist 2013 das Laserfähigkeitsprogramm geändert worden. Demzufolge darf die Behandlung endogen pigmentierter Läsionen nur von Dermatologen durchgeführt werden. Natürlich organisiere ich auch den SGML-Kongress mit, der wieder im Januar stattfindet. 

Sie haben 2016 die Smart Aging Swiss Academy gegründet. Was bietet die Academy? 

Die Smart Aging Swiss Academy bietet bis zum heutigen Zeitpunkt vorwiegend Kurse in Lasermedizin an, teilweise auch in ästhetischer Dermatologie, für Ärzte und deren medizinisches Praxispersonal. Das Kurskonzept haben wir an das Programm des Laserfähigkeitsausweises angepasst, welches in die Laserklassen I bis VI unterteilt ist. Ein physikalischer Basiskurs unter ärztlicher Leitung ist obligatorisch. Wir halten uns streng an die Anforderungen, welche die Laserkommission an diese Ausbildung stellt. 

Was zeichnet Sie als Chefin aus? 

Ich bin geduldig und immer gesprächsbereit. Bei der Arbeit habe ich immer einen Knopf im Ohr, sodass mich jeder Mitarbeitende stets erreichen kann. Sollte einer meiner Angestellten eine Frage während einer Behandlung haben, komme ich sofort und stehe mit Rat zur Seite. Dadurch werden die Mitarbeiter konstant besser und ich behalte den Überblick. 

Was machen Sie mit 65? 

Sofern ich gesund bleibe, höre ich nicht auf zu arbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich im Bereich Ausbildung der Assistenzärzte tätig sein und Patienten weiter behandeln werde.

 

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