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Vorteile der mobilen multiprofessionellen psychiatrischen Behandlung

Das geeignete Setting ist für den Erfolg einer psychiatrischen Behandlung grundlegend. Ergänzend zu den bewährten ambulanten, tagesklinischen und stationären Angeboten entstehen auch in der Schweiz seit einigen Jahren mobile aufsuchende Versorgungsformen für die akute und mittel- bis langfristige Behandlung psychiatrischer Patientinnen und Patienten. Die Konzepte und Finanzierungsformen dieser Versorgung variieren jedoch stark, schweizweit einheitliche Rahmenbedingungen fehlen derzeit noch.

Die Psychiatriereformen der 1970er bis 1990er Jahre hatten, wie in vielen europäischen Ländern, auch in der Schweiz einen erheblichen Abbau stationärer Bettenkapazitäten in sämtlichen grösseren psychiatrischen Kliniken zur Folge. Die Schaffung von neuen ausserstationären Behandlungsangeboten beschäftigte seither die psychiatrische Versorgungsplanung bis heute. Die zentralen Leitfragen für die aktuelle und zukünftige psychiatrische Angebotsorganisation ergeben sich aus fünf fachlich und gesundheitspolitisch konsentierten Paradigmen:

  • Wie kann psychiatrische Behandlung möglichst nahe am gewohnten Lebensumfeld der betroffenen Personen und unter Einbezug der sozialen Umgebung angeboten werden (ambulant vor intermediär vor stationär)?
  • Wie kann therapeutische Beziehungskontinuität über den gesamten Behandlungszeitraum und über Settingsgrenzen hinweg ermöglicht werden (integrierte Versorgung)?
  • Wie kann den subjektiven Bedürfnissen der betroffenen Personen unter Berücksichtigung des fachlich indizierten Behandlungsbedarfs (Personorientierung) und der Anforderung an Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Behandlungsangebote (WZW-Konformität) bestmöglich Rechnung getragen werden?
  • Wie kann bei (vorübergehenden) Beeinträchtigungen der Selbstbestimmungsfähigkeit die Autonomie der Patientinnen und Patienten gewahrt und gefördert und gleichzeitig der Fürsorgepflicht entsprochen werden (Autonomieförderung)?

Die intermediären Versorgungsformen sollen die Lücke zwischen der ambulanten Behandlung durch niedergelassene Grundversorgende und der vollstationären Behandlung unter Berücksichtigung dieser Anliegen schliessen. In der Schweiz existierten bis 2010 in den meisten Kantonen im intermediären Bereich hauptsächlich die institutionellen Ambulatorien und Tageskliniken. Mobile Angebote für die intensivere Behandlung im häuslichen Umfeld der Patientinnen und Patienten entstanden erst in den letzten Jahren und in zunehmender Dichte. Ein zentraler Vorteil mobiler gegenüber standortgebundener Angebote ist die Möglichkeit, im und mit dem direkten sozialen Umfeld der betroffenen Personen zu arbeiten. Dennoch sind mobile Angebote nicht gleichermassen für alle Patientinnen und Patienten geeignet und eine Reihe von Nachteilen, etwa die mögliche Belastung der Angehörigen oder die durch Patientinnen und Patienten eventuell als invasiv empfundene Arbeitsweise, müssen bei der Beurteilung des Stellenwerts dieser Behandlungsoption berücksichtigt werden.

Den ganzen Artikel von PD Dr. med. Matthias Jäger lesen Sie in der Ausgabe 3/19 des BrainMag . Die Bibliografie zum Artikel finden Sie hier.

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