«Die Haut vergisst nichts»

Die aktinische Keratose ist kein kosmetisches Problem. Eine hohe kumulative Sonnenexposition hinterlässt Spuren und führt zu Veränderungen in der Epidermis. Als Folge des Hautschadens kann sich ein invasives Plattenepithelkarzinom entwickeln. SkinMag sprach mit Prof. Dr. med. Robert Hunger über bewährte Behandlungsmethoden und über die Prävention der aktinischen Keratose. 

Athena Tsatsamba Welsch im Gespräch mit … Prof. Dr. med. Robert Hunger

SkinMag: Prof. Hunger, wie wird eine aktinische Keratose (AK) diagnostiziert?

Prof. Dr. med. Robert Hunger: Nach eingehender Anamnese stellt sich heraus, ob ein Patient nachlässig im Umgang mit dem Sonnenschutz war. Ein Dermatologe kann eine AK mit dem blossen Auge und durch Abtasten der Haut erkennen. Die Haut vergisst nichts. Eine Untersuchung mit einem Auflichtmikroskop kann weitere Erkenntnisse bringen. Um die Diagnose zu festigen, kann der behandelnde Hautarzt eine feingewebliche Untersuchung durchführen.

Welche Komplikationen können durch eine unbehandelte AK auftreten?

Typische Anzeichen sind rötliche, raue und schuppende Herde an sonnenexponierten Arealen der Haut. Sonnengeschädigte Bereiche im Gesicht, auf den Handrücken, an den Ohrmuscheln, im Décolleté und bei Männern auch auf der Glatze können von einzelnen Läsionen zu einer Feldkanzerisierung führen. Unbehandelt können sie sich zu einem invasiven weissen Hautkrebs weiterentwickeln. 

Ist immer eine Therapie nötig oder ist auch «watch and wait» möglich?

Eine Therapie ist nicht zwingend notwendig. Die einfachste Behandlung ist ein konsequenter UV-Schutz. Durch einen konsequenten Sonnenschutz kann sich eine AK auch wieder zurückbilden. Wenn sich die Hautschädigung jedoch ausbreitet oder weiter zunimmt, sollte der Patient einen Dermatologen aufsuchen.  

Von welchen Faktoren hängt die Wahl der Therapie ab?

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten. Die Art der Behandlung hängt von der Art der Ausdehnung ab. Handelt es sich um eine Läsion oder liegt bereits eine Feldkanzerisierung vor? Darüber hinaus hängt die Wahl der Methode von den Erwartungen und Wünschen des jeweiligen Patienten ab. Wie viel Zeit ist der Patient bereit in die Therapie zu investieren? Wie viel Schmerz erträgt er? Toleriert er die Nebenwirkungen? Ist dem Patienten ein kosmetisch gutes Resultat wichtig oder wünscht er eine rasche Behandlung? Ist er bereit, eine Creme selbst aufzutragen oder möchte er, dass der Arzt dies übernimmt? Die Wahl der Methode hängt von diesen Faktoren ab, die der Arzt mit dem Patienten im Vorfeld bespricht. 

Gibt es ein Behandlungsschema, nach dem sich der Dermatologe richten kann? 

Es gibt internationale und nationale Guidelines, nach denen eine Behandlung durchgeführt wird. Diese Guidelines zeigen dem Dermatologen einen Algorithmus für die Behandlung auf. Auch wenn es einen Algorithmus für die Behandlung von AK gibt, existiert kein Standardbehandlungsschema. Ein Arzt muss sich auf den jeweiligen Patienten einstellen. Die Wahl der Behandlung richtet sich unter anderem nach der Art der Läsion und nach Risikofaktoren wie zum Beispiel einer Immunsuppression. 

Muss die Behandlung immer ein Dermatologe machen oder kann auch der Hausarzt die Therapie durchführen resp. kontrollieren?

Es hängt von der Erfahrung und vom Interessensgebiet des Hausarztes ab – der Dermatologe ist der Spezialist für die Behandlung einer aktinischen Keratose. Der Hausarzt muss sich in diesem Bereich und beim Hautkrebs zurechtfinden. Er muss wissen, wann eine Biopsie notwendig ist, wann eine Therapie ohne Biopsie möglich ist. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es notwendig, Hauterkrankungen auszuschliessen, die einer AK ähneln, wie zum Beispiel Lentigo solaris, Psoriasis oder sonstige Ekzeme. Dermatologen sind dafür speziell ausgebildet. 

Welche physikalischen Therapien eignen sich?

Die Kryotherapie wird am häufigsten angewandt und ist sehr gut für die Behandlung von einzelnen Läsionen geeignet. Das Vereisen geht rasch. Allerdings reagieren die Melanozyten empfindlich auf Kälte und es kommt häufig zu weisslichen Narben. Das kosmetisch schlechte Resultat ist für viele Patienten ein Problem. Weitere Therapiemöglichkeit ist die lokal destruierende Behandlung mit einem ablativen Laser oder das Kürettieren. 

Wann ist eine Behandlung mit Cremes oder Gels indiziert? 

Cremes und Gels erfordern eine gute Compliance von Seiten des Patienten – die Behandlung kann drei oder mehr Monate in Anspruch nehmen. Der Erfolg hängt von der richtigen und regelmässigen Anwendung ab. Häufig ist eine Kombination von verschiedenen Therapiemöglichkeiten zum Beispiel mit der photodynamischen Therapie sinnvoll. 

Welche Vorteile bietet die photodynamische Therapie? 

Die photodynamische Therapie ist in der Regel eine einmalige Behandlung, die ein sehr gutes kosmetisches Resultat bietet. Es gibt zwei Möglichkeiten, die photodynamische Therapie durchzuführen: Bei der konventionellen Methode wird das Mittel aufgetragen und eine Abdichtung der Creme oder des Gels mit einer Folie angebracht (Okklusion). Nach der Einwirkungszeit von rund zwei Stunden wird das Areal mit Rotlicht beleuchtet. Durch die phototoxische Reaktion ist diese Methode häufig schmerzhaft. Eine weniger schmerzhafte Methode ist die Tageslicht photodynamische Therapie. Bei dieser Methode trägt der Dermatologie die Creme auf das Hautareal auf und der Patient geht anschliessend ans Tageslicht. Allerdings müssen die klimatischen Bedingungen diese Behandlung zulassen, es darf nicht regnen und die Temperaturen müssen mindestens 10 Grad Celius betragen. 

Welchen Patienten empfehlen Sie eine invasive Methode? 

Keinen. Bei der AK handelt es sich um Krebsvorstufen, daher sind keine invasiven Methoden erforderlich. 

Gibt es durch fortschrittliche Behandlungsmethoden künftig weniger chirurgische Eingriffe? 

Ziel ist es, durch eine frühzeitige Behandlung die Ausbreitung von invasiven Tumoren zu verhindern. 

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten einer AK nach erfolgter Behandlung und wie können Rezidive verhindert werden? 

Da die gesamte Haut um die AK geschädigt und verändert ist, entstehen im gleichen Areal sehr häufig neue Läsionen. Ein konsequenter UV-Schutz ist die einzige wirksame präventive Massnahme. Der Sonnenschutz muss genügend hoch sein; für die Behandlung sind zum Beispiel Avène SunsiMed und die Actinica Lotion zugelassen. Diese sollten regelmässig und in genügender Menge (2 mg/cm2) aufgetragen werden, um wirksam zu sein. Wichtig ist, dass man mit dem konsequenten Sonnenschutz von Kind an mit Lichtschutzfaktor 30 beginnt.


Bewährte Therapieoptionen der aktinischen Keratose

  • Kryotherapie (Flüssiger Stickstoff)
  • Photodynamische Therapie (PDT; Metvix®, Ameluz®)
  • Imiquimod (Aldara®, Zyclara®), 5-Fluorouracil (Efudix®, Actikerall®)
  • Diclofenac (Solaraze®) 3 Monate
  • Ingenol mebutat (Picato®)
  • Aminolevulinsäure (Alacare®)
  • Sonnenschutz

Weitere Therapieoptionen der aktinischen Keratose

  • Peeling
  • Laserablation
  • Retinoide (topisch, systemisch)
  • Radiotherapie
  • Dermabrasio, Curettage
  • (Chirurgische Exzision)

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

0
0
0
s2sdefault