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Der Verein SpitalBenchmark setzt sich für Kostentransparenz ein

Sind die Kosten des Schweizer Gesundheitswesens tatsächlich gerechtfertigt oder könnte man das alles auch viel besser machen? Der Verein SpitalBenchmark legt an einer Medienkonferenz vom 20. Juni 2019 die Daten offen und zeigt, dass gerade mal 10% der Schweizer Spitäler einen Gewinn erzielen und der Krankenkasse vermutlich ein ähnliches Schicksal droht wie der AHV.

Das im Jahr 2012 in Kraft getretene Gesetz zur Spitalfinanzierung fordert die einheitliche Abgeltung von Spitalleistungen über Fallpauschalen in der ganzen Schweiz. SpitalBenchmark, der 2007 und somit im Zuge der Verabschiedung des genannten Bundesgesetzes gegründet wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, eine Kostentransparenz zu schaffen. Der Verein dient als Plattform, welche kostenrelevante Daten seiner Mitgliedsspitäler sammelt, untereinander vergleichbar macht und den Spitälern und Behörden zur betriebswirtschaftlichen und ökonomischen Auswertung zur Verfügung stellt. So können ineffiziente Spitalbereiche lokalisiert und Dienstleistungen oder einzelne Prozesse optimiert werden.

Der Name des Vereins ist also Programm. In der Betriebswirtschaft wird Benchmarking betrieben, um mittels Vergleich die besten mehrerer Unternehmen oder Unternehmenseinheiten herauszufiltern und als Referenz für Verbesserungen den anderen gegenüberzustellen. Da SpitalBenchmark die Daten direkt von den Spitälern bezieht und validiert, repräsentieren sie die tatsächlich entstandenen Kosten der Betriebe und deren Leistungen, ohne Abzüge oder Pauschalen.

Ergebnisse aus der Datenanalyse

Resultat der Datenanalyse der letzten Jahre ist nun, dass lediglich etwa 10% der Spitäler die Kosten (Spitalkosten) durch die Vergütungen der Versicherungen (Gesundheitskosten) decken können, 90% der Spitäler leben von ihrer eigenen Substanz. Die Spitäler finanzieren sich derzeit quer, über die Zusatzversicherungen oder die Defizite der öffentlichen Trägerschaft, die Kantone und schliesslich die Steuergelder. Die Datenanalyse zeigt, dass die Spitalkosten in den letzten Jahren mehrheitlich stabil geblieben sind, hingegen sind die Fallpauschalen gesunken und die Prämien gestiegen.

Thomas Brack, Präsident des Vereins und Direktor des Spitals Limmattal, sieht die Ursache dieses Ungleichgewichts zwischen Kosten und Kostendeckung in der allgemein grösseren Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen wie zum Beispiel demografische Veränderungen. Die Menschen schätzen und nutzen die Möglichkeiten der Medizin, sind besser auf Krankheiten sensibilisiert und werden immer älter. Ausserdem erfordert der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte eine entsprechende Infrastruktur. Diesem Fortschritt werden die Spitäler künftig aber kaum mehr folgen können, die meisten Schweizer Spitäler weisen eine bereits ältere Bausubstanz auf und müssten eigentlich längst renoviert werden.

Droht den Spitälern dasselbe Schicksal wie der AHV?

Weil die Menschen immer älter werden und nur wenige junge nachkommen, müssen die jungen die älteren Menschen immer stärker finanzieren. Dies scheint nach Thomas Straumann, Vorstandsmitglied von SpitalBenchmark und CFO des Merian Iseli Spitals, nicht nur die AHV zu betreffen, sondern könnte auch das künftige Szenario der Spitäler sein. Nach ihm sind die zwanzig besten Spitäler als Benchmark für alle anderen deshalb weder methodisch noch inhaltlich gerechtfertigt, weil sich die Spitäler bereits jetzt für eine möglichst kostengünstige Leistungserbringung engagieren. Eine solche Offenlegung von vergleichbaren Daten dient faktenbasierten Entscheiden. Aus diesem Grund kann SpitalBenchmark einen Beitrag zur Entpolitisierung der Tariffestlegung leisten, sagte Thomas Brack. (jr)

Quelle | Medienkonferenz «Spitäler schaffen Kostentransparenz» vom 20. Juni 2019, Verband Zürcher Krankenhäuser VZK.

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