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Prof. Dr. med. Sebastian Kerber vom Rhön Klinikum Bad Neustadt, Saale, hat in enger Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie eine Sprechstunde für Künstler und Musiker ins Leben gerufen. Diese sind aufgrund des permanenten Drucks besonders anfällig für psychische Erkrankungen. Die Erkenntnisse flossen in das Projekt «Gesundheit am Meininger Theater» ein.

Musik und Medizin weisen viele Parallelen auf: Beides erfordert Leidenschaft und Präzision, ist mit enormen Belastungen verbunden und oft auch mit Einsamkeit. Betrachtet man die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen, so zeigt sich bei Musikern kein Unterschied.

Der «Quartenzirkel» der Kardiologie sind die koronaren Herzkrankheiten, die Herzklappenerkrankungen, die Herzinsuffizienz und die Herzrhythmusstörungen. Die Anamnese bei Musikern sollte dagegen den Arbeitsalltag speziell berücksichtigen. So kann hinter der Herzinsuffizienz eine Takotsubo-Kardiomyopathie infolge einer enormen psychischen Belastung stecken oder die exzessive Adrenalinausschüttung bei einem Auftritt der Auslöser supraventrikulärer Rhythmusstörungen sein. «Künstler sind Leistungssportler», sagte der Kardiologe und Musiker Prof. Dr. med. Sebastian Kerber vom Rhön Klinikum Bad Neustadt, Saale, am Zürcher Review in Klinischer Kardiologie. «Sie sind enormem Stress ausgesetzt und gefährdet für psychische Erkrankungen, insbesondere für Depressionen.»

Um den spezifischen Problemen Rechnung zu tragen, wurde in enger Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie am Rhön Klinikum eine Sprechstunde für Künstler und Musiker ins Leben gerufen.

Die Erkenntnisse flossen in das Modellprojekt «Gesundheit am Meininger Theater» ein, das im Frühjahr 2017 initiiert wurde. Ziel des Projektes war es, durch eine optimale medizinische Versorgung und Erhöhung der Arbeitsplatzqualität krankheitsbedingte Ausfälle der 300 Mitarbeitenden zu verkürzen oder zu vermeiden. Um den komplexen Arbeitsalltag zu erfassen, war eine «Lotsin» vor Ort, die viele Gespräche führte und alle Arbeitsplätze anschaute. In der ersten Spielzeit übermittelte die «Lotsin» rund 85 Mitarbeiter wegen medizinischer Fragestellungen an das Rhön Klinikum. «Mit dem Projekt ist es uns gelungen, bei den Theatermitarbeitern das Bewusstsein für Gesundheit, Prävention und Ergonomie zu steigern», sagte Prof. Kerber. Spielstätten in Erfurt und Würzburg wollen das Projekt nun ebenfalls initiieren. Am Meininger Residenztheater wird es vorerst weitergeführt.

Text | Regina Scharf

Quelle | 17. Zürcher Review Kurs in klinischer Kardiologie, 4.-5. April 2019, Zürich.

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