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Forschende haben nachgewiesen, dass bei Mäusen bereits ein mässiger täglicher Konsum von Maissirup die Entwicklung von Darmkrebs aus Darmpolypen fördert.

Wer viel Zucker konsumiert, hat ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und damit auch Darmkrebs. Ob der Zucker aber auch ganz direkt das Darmkrebsrisiko steigert, war bisher nicht bekannt.  

Amerikanische Forscher haben in der Fachzeitschrift «Science» einen Artikel publiziert, in dem sie bei Mäusen den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Fruktose und Glucose und dem Wachstum von Darmtumoren nachweisen – und zwar unabhängig von einer Gewichtszunahme. Schon ein mässiger täglicher Konsum von Maissirup beschleunigte die Entwicklung von Tumoren aus Darmpolypen. Tumorzellen nahmen die beiden Zuckerarten auf und konnten sich in der Folge durch Veränderung ihres Stoffwechsels schneller vermehren. Maissirup, ein Zuckerkonzentrat aus Maisstärke, besteht hauptsächlich aus Fruktose und Glukose und ist in vielen Softdrinks und anderen Lebensmitteln enthalten.

Ob die bei Mäusen nachgewiesenen Mechanismen auch beim Menschen das Darmkrebsrisiko erhöhen können, muss noch geprüft werden. Jihye Yun vom Baylor College of Medicine, Houston (USA) eine der Autorinnen des Science-Artikels, erklärt: «Bei Menschen dauert es gewöhnlich 20 bis 30 Jahre, bis sich aus einem Darmpolyp ein maligner kolorektaler Tumor entwickelt hat. Der regelmässige Konsum zuckerhaltiger Getränke könnte diese Zeit der Krebsentstehung verkürzen.» Die Studien an Mäusen stützt die Hypothese, dass die Kombination von Glukose und Fruktose in der Nahrung auch bei einer mässigen Dosis die Tumorentstehung verstärken kann.

Das Experiment
Mäuse mit einem genetisch erhöhten Risiko für Darmkrebs erhielten während zwei Monaten täglich Trinkwasser, das mit Maissirup angereichert war. Die Zuckermenge war so gering, dass die Tiere dadurch nicht übergewichtig wurden. Im Vergleich zu Mäusen, die ungesüsstes Wasser erhalten hatten, zeigten die Mäuse, die gezuckertes Wasser tranken, ein rascheres Wachstum von Darmtumoren, ohne dass sich die Anzahl der Tumoren veränderte. Die Aufnahme von Fruktose beschleunigte den Abbau von Glukose und förderte die Produktion von Fettaäuren, die für die Zellvermehrung nötig sind. Das Wachstum der Tumoren wurde nur angeregt, wenn Glukose und Fruktose gleichzeitig und etwa in gleichen Mengen eingenommen wurden. Bei Mäusen, denen das Enzym für die Fruktoseverwertung fehlte, wurde das Tumorwachstum nicht gesteigert.

Quelle | Goncalves MD, et al.: High-fructose corn syrup enhances intestinal tumor growth in mice. Science 2019 Mar 22; 363(6433): 1345-1349.

Hier finden Sie die Originalstudie.

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