Athena Tsatsamba Welsch im Gespräch mit...Dr. med. Christian Greis

Die onlinebasierte Beratungsplattform derma2go.com hat zum Ziel, die Effizienz und Patientenzufriedenheit in der ambulanten Dermatologie zu steigern. Über eine gesicherte Kommunikationsplattform erhalten Patienten dermatologischen Rat innerhalb von 24 Stunden. Doch wie verlässlich und wie sicher ist eine Onlinekonsultation? SkinMag sprach mit dem Gründer Dr. med. Christian Greis über die dermatologische Beratung per Mausklick.

SkinMag (SM): Dr. Greis, was ist derma2go genau?
Dr. med. Christian Greis (CG):
Derma2go ist eine onlinebasierte Beratungsplattform, die es ermöglichen soll, Patienten und Dermatologen miteinander zu verknüpfen. Unser Ziel ist der Aufbau eines schweizweit sicheren Netzwerkes. Einerseits können Dermatologen auf ihrer Homepage eine Onlineberatung über unser gesichertes System anbieten. Andererseits können Patienten zentral über derma2go eine Anfrage stellen, welche dann an einen Dermatologen weitergeleitet wird. Die Plattform ist seit wenigen Monaten online.

SM: Besteht ein Bedarf für Teledermatologie?
CG: Natürlich. Gerade junge Patienten schätzen die Möglichkeit der Teledermatologie wie die Studie von Prof. Alexander Navarini, Prof. Stephan Lautenschlager, mir und weiteren Kollegen, die Anfang 2018 im «Journal of Dermatological Treatment» 1 publiziert worden ist, belegt. Zudem ist für eine Blickdiagnose nicht immer eine persönliche Konsultation in der Arztpraxis erforderlich.

SM: Welche Erkrankungen lassen sich mittels Teledermatologie gut diagnostizieren?
CG: Die Webapplikation ist sehr gut geeignet für entzündliche Dermatosen, Psoriasis, Neurodermitis, Nagelpilz, aber auch für sexuell übertragbare Erkrankungen. Für einen Patienten mit Genitalwarzen ist die Hürde für eine Onlinekonsultation mit selbstgemachten Bildern des Hautareals deutlich geringer, als in die Sprechstunde zu gehen.

SM: Ist eine Onlinekonsultation genauso gut wie eine herkömmliche Beratung beim Dermatologen?
CG: Bei einigen Erkrankungsbildern gibt es Studien, die das belegen. Die Dermatologie ist ein sehr visuelles Fach. Nach Übermittlung von Bildern und den entsprechenden Informationen kann der Arzt bereits häufig eine Therapieempfehlung abgeben. Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr hoch, dass sich ein Patient den Weg zum Arzt sparen kann. Je nach Erkrankung ist es natürlich dennoch sinnvoll, sich persönlich vorzustellen, beispielsweise bei einer Muttermal-Ganzkörperkontrolle.

SM: Wer führt die Onlinekonsultationen durch?
CG: In der Regel niedergelassene Dermatologen. Dafür ist ein Facharztnachweis erforderlich. Das ist eines unserer Qualitätsmerkmale. Aktuell verfügen wir über eine Datenbank mit Dermatologen in der gesamten Schweiz, darunter auch die ersten Spitäler.

SM: Wie stellt ein Patient eine Anfrage?
CG: Dafür benötigt er einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone mit Internetzugang und ein Mobiltelefon mit einer Schweizer Telefonnummer. Der Patient stellt entweder über derma2go oder über die Homepage eines mitmachenden Dermatologen die Anfrage. Er wird zuerst aufgefordert, Bilder hochzuladen. Geeignet sind eine Übersichtsaufnahme sowie zwei bis drei weitere Nahaufnahmen des betreffenden Hautareals. Anschliessend füllt er einen Fragebogen aus. Die einzige offene Frage lautet zu Beginn «Was ist Ihr Hauptproblem?». Je nach Antwort werden durch hinterlegte Algorithmen weitere Fragen ausgewählt, die der Patient nur mit ja oder nein beantworten muss. In einem weiteren Schritt muss er sich bei der ersten Anfrage registrieren oder mit seinen Zugangsdaten anmelden, falls er sich schon zu einem früheren Zeitpunkt registriert hat. Anschliessend erfolgt die Bezahlung per Kreditkarte.

SM: Was kostet eine Beratung?
CG: Die Konsultation kostet aktuell pauschal 75 CHF, in Zukunft werden weitere attraktive Preismodelle dazukommen.

SM: Können Patienten die Konsultation mit der Krankenkasse abrechnen?
CG: Momentan ist dies eine Selbstzahlerleistung. Krankenkassen sind an unserer Dienstleistung interessiert. Aber hier ist noch alles offen. Wir sprechen Patienten zwischen 20 und 50 Jahren an. Diese haben oftmals eine hohe Franchise. Eine Online-Konsultation ist in der Regel günstiger als ein herkömmlicher Besuch beim Hautarzt. Daher ist der Preis für unsere Zielgruppe durchaus attraktiv.

SM: Wie schnell erhalten Patienten eine Antwort?
CG: Der Arzt erhält eine Mitteilung, dass eine neue Anfrage im System für ihn hinterlegt ist. Dieses Store-and-Forward-Verfahren bietet ihm die Möglichkeit, nicht sofort, sondern in der Mittagspause oder bei Leerläufen darauf zu reagieren. Der Anfragende erhält werktags innerhalb von 24 Stunden eine Antwort. Der Arzt kann dem Patienten auch mit einer Rückfrage via Chatfunktion antworten. Das bietet derzeit kein anderes System an. Wenn die Anfrage keiner Rückfrage bedarf, antwortet der Arzt mit einer Einschätzung und gegebenenfalls Therapieempfehlung. Wir haben für den Dermatologen 50 Diagnosen vorformuliert, diese kann er als Bausteine nutzen und für jeden Patienten individuell anpassen. Der Bericht wird automatisch mit dem Briefkopf der jeweiligen Praxis erstellt. Der Patient erhält entweder per E-Mail oder SMS eine Nachricht, dass eine Antwort im System vorliegt.

SM: Wie sicher ist derma2go?
CG: Wir versenden niemals medizinische Informationen per SMS oder E-Mail. Die Daten sind auf gesicherten Servern in einem Datencenter mit aktuellen Zertifizierungen. Die Daten werden verschlüsselt auf verschiedenen Lokalisationen gespeichert und sind gespiegelt. Wie beim Online-Banking muss sich jeder Benutzer mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung anmelden. Bei jedem Login erhalten die Benutzer einen Sicherheits-Code auf ihr Mobiltelefon per SMS oder auf Wunsch per E-Mail, den sie zur Anmeldung benötigen.

SM: Wie haben Dermatologen auf Ihre Plattform reagiert?
CG: Durchaus positiv. Das hat mich dazu veranlasst, das System professionell umzusetzen. Ich warb bei der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV) für das Projekt. Daraufhin haben mir über 90 Dermatologen eine positive Rückmeldung gegeben. Anlässlich der 100. Jahresversammlung habe ich einen Workshop zur Teledermatologie gehalten und wurde für derma2go mit zwei Förderpreisen in der Kategorie innovative Projekte ausgezeichnet.

SM: Konkurrieren Sie sich nicht mit niedergelassenen Dermatologie-Praxen?
CG: Nein. Derma2go ist eine Plattform von und für Dermatologen. Jeder Hautarzt mit einem Facharztnachweis kann mitmachen. Derma2go vermittelt die ärztlichen Beratungen und ist weder für die Diagnosestellung noch für die Therapieempfehlung des Arztes verantwortlich. Wir stellen Dermatologen ausschliesslich die Software und den Service bereit.

SM: Warum sollten Patienten Ihre Plattform nutzen?
CG: Patienten haben das Bedürfnis nach neuen Kommunikationswegen, wie Onlinekonsultationen. Gemäss der erwähnten Studie bei knapp 1000 dermatologischen Patienten schätzt die Mehrheit der Befragten die fehlende Vorlauf- und Anreisezeit bei Onlinekonsultationen. Über die Onlineberatung erhält jeder Patient einen schriftlichen Bericht und bekommt gute Hintergrundinformationen zur Erkrankung innerhalb von 24 Stunden. Ich bin davon überzeugt, dass mit der Teledermatologie zum Beispiel Melanome schneller entdeckt werden können. In der Regel müssen Patienten mehrere Wochen auf einen Facharzttermin warten. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, die Leben retten kann.

SM: Wie attraktiv ist derma2go für Hautärzte?
CG: Der Dermatologe kann derma2go als Triage-Tool verwenden. Er hat keine Infrastrukturkosten und kann die Anfrage unabhängig vom Aufenthaltsort online bearbeiten und sich ohne grossen Zeitaufwand etwas dazuverdienen. Eine Stärke unseres Systems ist, dass sich ein Patient einen Arzt in seiner Nähe aussuchen kann und gegebenenfalls je nach Erkrankung doch noch die Praxis aufsucht.

SM: Neu gibt es in Deutschland eine App namens AppDoc. Diese wurde von deutschen Onkologen für Ferndiagnosen mittels teledermatologische Smartphone-Anwendung entwickelt. Ist das eine Konkurrenz zu derma2go?
CG: AppDoc bietet ebenfalls teledermatologische Services an. Unser Konzept scheint allerdings dahingehend anders zu sein, dass wir Ärzten die Möglichkeit bieten, dies zu tun – also eine offene Plattform sind. Jeder Arzt soll seinen Patienten Onlinekonsultationen anbieten dürfen. AppDoc scheint ein zentrumsbasiertes Angebot zu sein.

SM: Werden Sie für derma2go auch eine App entwickeln?
CG: Wir programmieren aktuell bewusst keine native App, sind aber natürlich als responsive Web-App verfügbar. Patienten möchten sich gemäss unserer Erfahrungen keine App herunterladen, bevor sie ein Anliegen schildern.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

0
0
0
s2sdefault