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In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden Extrakte aus Gardenia jasminoides Ellis (GJE) zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden eingesetzt. Jetzt wurden in der Pflanze Inhaltsstoffe identifiziert, die wie Östrogene wirken.

Um den Wirkmechanismus der GJE aufzuklären, wurde das Verfahren der «Network Pharmacology» mit dem der chromatographischen Extraktion kombiniert. Verschiedene TCM-Datenbanken wurden auf potenzielle Inhaltsstoffe, mögliche Interaktionen mit anderen Inhaltsstoffen und eine Übereinstimmung dieser Proteine mit dem Genmuster von GJE gescreent. Dann wurde in entsprechenden Datenbanken die Kongruenz dieser Proteine zu Genen mit Bezug zu «Menopause» und «Ovarien» geprüft. Inhaltsstoffe, die die Blut-Hirn-Schranke penetrieren, und toxische Inhaltsstoffe wurden verworfen, so dass Geniposid, Rutin, Chlorogensäure und Geniposidsäure also mögliche Kandidaten des GJE-Wirkstoffs verblieben. Die chromatographisch hergestellte Fraktion mit östrogenstimulierender Wirkung enthielt neun Inhaltsstoffe, unter anderem die vier mit «Network Pharmacology» identifizierten Substanzen. Von diesen stimulierten Rutin, Chlorogensäure, Geniposidsäure A und 3,5-O-Dicaffeoylchinasäure (nicht mit «Network Pharmacology» identifiziert und deshalb verworfen) die Östradiol-Biosynthese in Granulosazellen aus Ratten-Ovarien. Molekulare Docking-Verfahren objektivierten Bindungsenergien der drei Proteine zum FSH-Rezeptor und der Aromatase. Die Östradiol-Produktion nahm nach Gabe eines Antikörpers gegen den FSH-Rezeptor ab. Dies weist darauf hin, dass der FSH-Rezeptor bei der Östrogenstimulation involviert ist. Im Western-Blot konnte die Stimulation der Expression des FSH-Rezeptors nachgewiesen werden. Rutin, Chlorogensäure und Geniposidsäure stimulierten die Expression des «steroidogenic acute regulatory protein» und von CYP19 (das P450 Enzym Aromatase reguliert die Biosynthese von Östrogenen zu Androgenen). Die Expression des Östrogen-Rezeptors-α wurde durch Chlorogensäure und Geniposidsäure gehemmt, die des Östrogen-Rezeptors-β durch Rutin und Chlorogensäure stimuliert. Rutin, Chlorogensäure und Geniposidsäure wirkten in Gegenwart oder Abwesenheit von 17β-Östradiol zytotoxisch auf östrogenpositive Brustkrebszellen.

Die Autoren kamen zum Schluss, dass die in-vitro östrogenstimulierende Wirkung von GJE auf den Inhaltsstoffen Rutin, Chlorogensäure und Geniposidsäure beruht und dass die Hoch-Regulierung des FSH-Rezeptors und der Aromatase nicht mit einem erhöhten Risiko bei hormonabhängigem Brustkrebs einhergeht. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um aus diesen Inhaltsstoffen ein geeignetes Medikament für Frauen in der Menopause herzustellen. (sc)

Quelle | Wang X, et al.: Identification of Steroidogenic Components Derived From Gardenia jasminoides Ellis Potentially Useful for Treating Postmenopausal Syndrome. Front Pharmacol 2018; 9: 390.

Kommentar von Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik

Diese hochinteressante experimentelle Studie ist sicher für die Entwicklung eines potenten Arzneimittels zur Behandlung klimakterischer Beschwerden sehr wertvoll. Sie weist darauf hin, dass bei östrogenpositiven Brustkrebszellen über den FSH-Rezeptor und die Aromatase wirkende Pflanzenstoffe das Krebswachstum nicht fördern, sondern hemmen können. Doch noch sind solche In-Vitro-Studien nicht akzeptierte Surrogate für (Neben)Wirkungen beim Menschen. Tierexperimentelle und klinische Studien müssen die Wirkungen der GJE-Inhaltsstoffe bestätigen, die Evidenz der Wirksamkeit in Studien mit einem beweisend angelegten Studien-Design belegen, die Wirkgrösse quantifizieren und mögliche Risiken ausschliessen.

Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik-Hausmann
Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg i.Br.

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