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In einem aktuellen Review zur Schmerztherapie fordern US-Fachgesellschaften mit Nachdruck dazu auf, Schmerzpatienten in erster Linie statt mit Schmerzmedikamenten mit nicht-pharmakologischen Massnahmen zu therapieren. Auch Yoga gehört dazu.

Das Versorgungssystem von Schmerzpatienten steckt in einer Krise. Denn trotz innovativer Analgetika, Bildgebungs- und Operationsverfahren steigt die Prävalenz vor allem chronischer Schmerzzustände immer weiter an. Unlängst empfahl das American College of Physicians (ACP) zur Erstlinientherapie bei chronischer Lumbalgie nicht-pharmakologische Therapiestrategien. Zu den von der ACP wie auch den National Institutes of Health (NIH) empfohlenen Optionen zählt auch Yoga. Die Kernelemente des Yoga sind Achtsamkeit und Meditation, Atem- und Körperübungen.
Nach einem 2017 veröffentlichten Cochrane-Review ist die Wirksamkeit von Yoga bei chronischer Lumbalgie mit immerhin moderater Evidenzstärke belegt. Analysiert wurden zwölf Studien, in denen insgesamt 810 Lumbalgie-Patienten ein- oder zweimal wöchentlich für sechs bis 24 Wochen einen Yoga-Kurs besuchten oder kein Bewegungsprogramm verordnet bekamen. Im Ergebnis konnte Yoga die Schmerzen zumindest etwas lindern und die Rückenfunktion etwas verbessern.
Yoga hilft aber auch bei (Knie-)Arthrose, rheumatoider Arthritis, Kyphose, Nackenschmerzen und Fibromyalgie. Nach einer Metaanalyse kann man in letzterer Indikation mit Yoga signifikante Verbesserungen hinsichtlich Schmerz, Erschöpfung, Schlaf, Depression und Lebensqualität erreichen.
Welcher Yoga-Stil gelehrt wird, spielt nach Studiendaten keine Rolle, so dass sich der Patient hier nach seinen eigenen Präferenzen richten kann. Was die Sicherheit betrifft, erwies sich Yoga als ebenso sicher wie klassisches Rückentraining. Gelenkprobleme sind nach einer grossen Umfrage von 62- bis 67-jährigen Frauen auch nicht zu erwarten. Patienten mit Glaukom oder eingeschränkter Knochengesundheit sollten das Yoga-Training aber mit ihrem Arzt besprechen und sich von einem qualifizierten Trainer anleiten lassen, der die Körperhaltungen indikationsgerecht anpassen kann. (red)

Quelle | Tick H, et al.: Evidence-based nonpharmacologic strategies for comprehensive pain care: the consortium pain task force white paper. Explore 2018; 14(3): 177–211.

Kommentar von Dr. med. Ludwig Schelosky

Patienten mit chronischen Rückenschmerzen stellen in der hausärztlichen und auch in der fachärztlichen neurologischen, orthopädischen, neurochirurgischen, sportmedizinischen, rheumatologischen, internistischen und manualmedizinischen Praxis ein grosses Problem dar. Die Versorgung muss multimodal erfolgen, kostet viel Zeit, Ressourcen und damit auch Geld. Die Erfolge sind insbesondere bei langen Krankheitskarrieren trotz des grossen Einsatzes bescheiden, und in jungen Jahren sind Rückenschmerzen der wichtigste Grund für Frühberentung.
Die vorliegende umfangreiche Arbeit aus einem Konsortium von Schmerztherapeuten, Psychologen, Hausärzten und Internisten schlägt einen weiten Bogen von der Beschreibung der Auswirkungen des Schmerzes über die Behandlungsmöglichkeiten im Allgemeinen und betont in ihren Schlussfolgerungen den Stellenwert der nicht-medikamentösen Behandlungen, unter anderem von Yoga. Die Botschaft ist nicht neu, die Bestätigung vor dem Hintergrund der Opiatabusus-Welle der USA aber besonders wichtig. Der Leitspruch der Schmerz-Behandlung lautet auch weiterhin: «Bewegung ist die beste Therapie!»

Dr. med. univ. Ludwig Schelosky
LA Neurologie
Kantonsspital Münsterlingen
Spitalcampus 1
CH-8596 Münsterlingen
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