In den letzten Jahrzehnten wurden im Bereich der Krebstherapie beachtliche Fortschritte erzielt. Prof. Dr. med. Thomas Cerny hat diese während seiner langjährigen Tätigkeit in der Onkologie hautnah miterlebt. Am sechsten «Meet & Greet by IACULIS mit Persönlichkeiten aus Medizin und Wissenschaft» gab er einen spannenden Einblick in die moderne Krebstherapie und legte dabei ein spezielles Augenmerk auf die Immuntherapie.

In den letzten 20 Jahren hat die Krebs-Mortalität dank den grossen Fortschritten in der Früherkennung und Therapie bei Männern um fast 30% und bei Frauen um rund 25% abgenommen. Da nun mehr Menschen eine Krebserkrankung überleben oder in einen chronischen Verlauf gelangen, hat sich die Prävalenz seit dem Jahr 2000 jedoch beinahe verdoppelt. Ein wichtiges Ziel der Krebstherapie ist daher auch, dass die Patienten möglichst ohne negative Behandlungsfolgen weiterleben können.

Personalisierte Medizin als neues Paradigma der Krebstherapie
Die genetische Charakterisierung verschiedener Tumorarten hat gezeigt, dass diese anhand häufiger Mutationen in verschiedene Klassen eingeteilt werden können, die dann jeweils einheitlich behandelt werden. Dennoch bleibt jede Erkrankung in der Summe der individuellen genetischen Veränderungen einzigartig. Neben Mutationen, die im ganzen Tumor auftreten und somit eine Grundvoraussetzung für dessen Entstehung sind, können genetische Variationen auch auf wenige Tumorregionen beschränkt sein. Zudem ist der Tumor in ein komplexes System von Interaktionen und Signalwegen eingebettet, zu denen beispielsweise auch die inflammatorischen Prozesse des Immunsystems zählen. Die Errungenschaft, Tumore genetisch genau analysieren zu können, führte zur Entwicklung von Therapien, die immer besser auf die individuellen Gegebenheiten des Patienten abgestimmt sind: Die Personalisierte Medizin wird zum Standard in der Onkologie.

Immuntherapie bringt grosse Fortschritte
Der Chirurg und Onkologe William Coley konnte bereits in den 1890-er Jahren zeigen, dass durch bakterielle Infektionen bzw. durch die Gabe von bakteriellen Extrakten (Coley’s Toxin) die Remission einer Krebserkrankung eingeleitet werden kann. Durch die Infektion wird das Immunsystem stark aktiviert und ist somit in der Lage, auch den Tumor anzugreifen. Tumorspezifische Antigene werden durch antigenpräsentierende Zellen erkannt, die wiederum eine Aktivierung von T-Zellen auslösen. Der ganze Prozess wird durch verschiedene Rezeptor-Ligand-Interaktionen reguliert. So fungieren die Rezeptoren CTLA-4 und PD-1 durch unterschiedliche Mechanismen als Bremsen des Immunsystems und behindern die Aktivierung von T-Zellen durch Tumorantigene. Dieses Jahr erhielten James P. Allison und Tasuku Honjo den Nobelpreis für Medizin für die Beschreibung dieser negativen Regulationsmechanismen, welche zur Entwicklung neuer, potenter Medikamente beigetragen hat. Durch zielgerichtete Antikörper gegen CTLA-4 oder PD-1 kann die Blockade der T-Zell Aktivierung umgangen und die Aktivierung des Immunsystems gegen den Tumor ausgelöst werden. Inzwischen sind diese so genannten Checkpoint-Inhibitoren zur Behandlung verschiedener Krebsarten zugelassen und es wird intensiv an Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Medikamenten geforscht, damit der Tumor an möglichst vielen Fronten angegriffen werden kann.

CAR-T-Zellen – der neuste Durchbruch in der Immuntherapie
Die Technologie der Chimeric Antigen Receptor T-Cells (CAR-T-Zellen) hat sich schnell entwickelt und ist nach sehr guten Resultaten bereits in der Klinik angekommen. Für die Behandlung werden T-Zellen des Patienten isoliert und mittels Transfektion mit attenuierten Viren genetisch so verändert, dass sie einen spezifischen Rezeptor für ein Tumorantigen exprimieren. Die T-Zellen werden dem Patienten nach einer Expansions-Phase im Labor wieder injiziert, wo sie dann den Tumor gezielt angreifen. Die Therapie ist hochwirksam, jedoch auch mit beträchtlichen Risiken verbunden, insbesondere weil das körpereigene Immunsystem vorgängig heruntergefahren werden muss. Bis jetzt wurden mit der Therapie insbesondere bei hämatologischen Malignomen gute Resultate erreicht.

Ausblick
Die Krebstherapie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt, was zu einem deutlich verbesserten Überleben der Patienten beigetragen hat. Auch zukünftig werden viele neue Medikamente und Behandlungsstrategien verfügbar sein, die immer individueller eingesetzt werden können, um für jeden Patient die optimale Therapie zu finden. Wie Prof. Cerny am Ende seines Referats ausführte, wird aber, trotz immer besserer Behandlungen, Krebs vermutlich niemals zu einer heilbaren Erkrankung werden, da Tumore sehr anpassungsfähig sind und immer wieder neue Wege finden, den verfügbaren Behandlungen zu entkommen. Die Krebstherapie ist und bleibt also eine Herausforderung.

Der komplette Vortrag von Prof. Dr. med. Thomas Cerny ist auf www.iaculis.ch/aktuelles als Video verfügbar.

Text |  Dr. phil. Catherine Haberthür-Müller und Sonia Fröhlich de Moura, IACULIS GmbH

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