Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Die Ergebnisse einer aufwendigen Langzeitstudie aus Schweden sind ganz im Sinne des bekannten Sprichworts zu verstehen.

Über 25 Jahre wurden anlässlich der Aushebung junger Schweden medizinische Daten wie Quadricepskraft, Handgriffkraft und Ellbogenbeugekraft sowie die aerobische Kapazität und der BMI registriert. Total 1 212 503 männliche gesunde Adoleszente (86,8 % der gesamten Population) wurden erfasst. In der Folge untersuchten die Forscher während 43 Jahren die IV-Meldungen bei diesem Kollektiv. Insgesamt tauchten fast 70 000 IV-Fälle auf. Eine komplexe statistische Auswertung dieses Datenbergs zeigte eine feste (umgekehrte) Beziehung zwischen den Kraftwerten (besonders die des Quadriceps) zum Zeitpunkt der Aushebung und verschiedensten Invaliditätsgründen (u. a. psychiatrische, neurologische, kardiovaskuläre und muskuloskelettale) etwa 30 Jahre später. Es überrascht nicht, dass diese Beziehung bei den Übergewichtigen und denjenigen mit einer schlechten aeroben Kapazität noch stärker ausgeprägt ist. Die Autoren schliessen mit dem Appell, Kraft und Ausdauer während der Adoleszenz gezielt zu fördern. (pj)

Quelle | Henriksson H, et al.: Muscular Weakness in adolescence is associated with disability 30 years later: a population-based cohort study of 1,2 million men. Br. J. Sports Med 2018; pii: bjsports-2017-098723. DOI: 10.1136/bjsports-2017-098723.

Kommentar von Dr. med. Peter Jenoure

Vielen Studien wird vorgeworfen, zu kleine Patientenkollektive untersucht zu haben, ein Vorwurf, der hier ins Leere fällt. Unglaubliche 1,2 Millionen Probanden dienen als «Demonstrationsmaterial» für diese Studie. Ebenfalls ist die durchschnittliche Follow-up-Dauer von 30 Jahren eindrücklich. Die Erkenntnisse sind ebenfalls interessant, wenn auch nicht besonders überraschend. Es ist bekannt, dass regelmässige, vernünftig ausgeführte, körperliche Aktivität gesundheitsfördernd ist – nun wissen wir auch, dass Inaktivität langfristig sehr ungesund ist, obwohl hier nur die IV-Fälle berücksichtigt wurden. Die Studienschlussfolgerungen wären wahrscheinlich noch beängstigender ausgefallen, hätte man alle Gesundheitsstörungen, die (bisher) keine IV-Meldung erforderten, berücksichtigt.

Dr. med. Peter Jenoure , ARS Ortopedica, ARS Medica Clinic, 6929 Gravesano, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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