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Meningokokken-Infektionen sind äusserst gefährlich. Bei Säuglingen und Kleinkindern mit einem unausgereiften Immunsystem kann eine Meningitis oder Sepsis ausgelöst und innerhalb von 24 Stunden lebensbedrohlich werden. Ein zweiter Erkrankungsgipfel liegt in der Adoleszenz, und auch zahlreiche endemische Reiseziele begünstigen die Infektion. Eine wirksame Prävention bietet allein die Impfung.

Die invasive Meningokokkenerkrankung (IME) tritt selten, aber meist rasch progredient auf. Die Letalität ist hoch. Seit 1988 überwacht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die IME, es besteht Meldepflicht1. Die Infektion mit Meningokokken manifestiert sich hauptsächlich als Meningitis oder Sepsis und wird wegen des epidemischen Potenzials und der hohen Letalitäts- und Morbiditätsraten gefürchtet. Die meisten Erkrankungsfälle treten zwar in Afrika auf, aber auch in Saudi-Arabien, Südamerika und Asien besteht in vielen Regionen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Auch in Europa kommt es immer wieder zu kleineren Epidemien. Informationen über aktuelle Ausbruchsgebiete finden sich auf safetravel.ch, tropimed.ch oder auf der Website der WHO2.

Zahlen für die Schweiz
Die IME ist in der Schweiz mit 57 Fällen im Jahr 2017 und seit Jahresbeginn 2018 bisher 48 Fällen (Stand 4.9.2018)1 zwar selten, aber gefürchtet. Während der Zehnjahresperiode 2007–2016 verstarben jährlich zwischen 0 und 7 Erkrankte (im Mittel 3,9) an einer IME. Dies entspricht einer Letalität von 7 %1. Die weltweite Mortalität bei Erwachsenen liegt bei über 30 %3, 4. Erkrankungen mit Meningokokken treten gehäuft bei Säuglingen und Kleinkindern sowie jungen Menschen zwischen 16 und 22 Jahren auf. Tückisch an der Erkrankung sind ihr Verlauf und die Folgerisiken: unspezifische, grippeähnliche Symptome, die sich binnen weniger Stunden zu einer lebensbedrohlichen Krankheit entwickeln können. IME können sich auch mit atypischem klinischen Bild präsentieren, zum Beispiel mit vorwiegend gastrointestinaler Symptomatik. Ein Drittel der Erkrankungen führt zur Sepsis, teilweise mit Todesfolge oder mit schweren bleibenden Schäden wie Hirnschäden, Hörverlust oder Gliedmassen-Amputationen. Die Sterblichkeit von Kindern, die wegen einer Sepsis oder einer schweren lokalen Infektion im Spital behandelt werden, liegt in europäischen Ländern bei 2,3 %.

Neisseria meningitidis
Der Mensch ist der einzige bekannte Wirt von Neisseria meningitidis. Die bekapselten, gramnegativen Diplokokken sind im Nasen-Rachen-Raum zu finden, die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Bei den meisten Isolaten, die bei Trägern untersucht wurden, handelt es sich um apathogene, nichtinvasive Meningokokken. Für Erkrankungsfälle verantwortlich sind hypervirulente Stämme, die anhand von 13 Serogruppen und Membranproteinen typisiert werden. In Europa sind dies hauptsächlich die Serogruppen B und C. In Afrika finden sich gehäuft die Serogruppen A W135 und Y, wobei Meningokokken-W-Erkrankungen auch in Europa zunehmen. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Impfstoffe nur gegen bestimmte Serogruppen schützen. Die Wirksamkeit der Impfungen ist sehr gut: nach gezielten Impfprogrammen der WHO ging die Zahl der Hirnhautentzündungen in den jeweiligen Regionen drastisch zurück2.

Vorkommen
Da sich das Spektrum der zirkulierenden Meningokokken ändert, sollten sich Reisende beraten und impfen lassen5. In Industrieländern steigen die Zahlen von Infektionen mit Neisseria meningitidis vom Serotyp W an. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Meningokokken besteht in Afrika im sog. Meningitis-Gürtel, der von Senegal und Gambia nach Osten bis in den Süden des Sudans verläuft und im Norden an die Sahara und im Süden an den tropischen Regenwald angrenzt. Ausserdem besteht in verschiedenen Ländern Südamerikas ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Auch Israel und die arabische Halbinsel, Australien und Tasmanien sind Endemiegebiete.

Impfung
Eine Impfung gegen Meningokokken wird gemäss BAG Personen mit Immunstörungen, Rekruten, Laborpersonal, gewissen Reisenden sowie, als ergänzende Impfung, Kindern im Alter von 1 bis 4 Jahren und Jugendlichen im Alter von 11 bis 19 Jahren empfohlen1. Vor einer Pilgerreise nach Mekka ist die Impfung Pflicht. Jugendliche, Schüler und Studenten vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit erhöhtem Risiko sollten ebenfalls geimpft werden. Bei reisemedizinischer Indikation ist die Verwendung eines tetravalenten Konjugatimpfstoffs (A, C, W135, Y) angezeigt6,7. Bei mitreisenden Kindern < 1 Jahr und entsprechender Indikation kann aufgrund altersbedingter Zulassungsbeschränkung die Off-label-Anwendung eines tetravalenten Konjugat-Impfstoffs erwogen werden1.

Bei Konjugat-Impfstoffen werden Zuckerteile der Meningokokkenkapsel an ein Eiweiss gekoppelt. So sind sie bereits beim Säugling wirksam, und dank der Ausbildung eines Immungedächtnisses hält ihre Schutzwirkung wahrscheinlich über Jahre an. In der Schweiz sind zwei Konjugat-Impfstoffe gegen Meningokokken der Gruppe C zugelassen. Sie können gemäss schweizerischem Impfplan 2018 zeitgleich mit den übrigen im Impfplan empfohlenen Basisimpfungen, jedoch an einer anderen Injektionsstelle, verabreicht werden7. Die Wirksamkeit beträgt bei 1- bis 4-Jährigen 83–98 %, bei 11- bis 18-Jährigen 93–96 %. Als Hilfsstoff dient bei beiden Impfstoffen Aluminiumhydroxid, welches die Immunantwort verstärkt. In keinem der Impfstoffe ist Quecksilber enthalten. Gemäss Swissmedic ist die Nebenwirkungsrate der Meningokokken-Impfstoffe insgesamt niedrig8. (ssl)

Bibliografie
www.bag.admin.ch
2 www.who.int
3 McGill F, et al.: Acute bacterial meningitis in adults. Lancet 2016; 388: 3036–3047.
4 Stein-Zamir C, et al.: Invasive meningococcal disease epidemiology and characterization of Neisseria meningitidis serogroups, sequence types, and clones; implication for use of meningococcal vaccines. Hum Vaccin Immunother 2018 Aug 29: 1–7.
5 Serra LC, et al.: A Review of Meningococcal Disease and Vaccination Recommendations for Travelers. Infect Dis Ther 2018; 7(2): 219–234.
6 Keshavan P, et al.: An update of clinical experience with the quadrivalent meningococcal ACWY-CRM conjugate vaccine. Expert Rev Vaccines 2018 Sep 10.
7 Schweizerischer Impfplan 2018, www.bag.admin.ch
8 Vaccinovigilance – Unerwünschte Ereignisse nach Impfungen – Jahresbericht 2017. www.swissmedic.ch/pharmacovigilance

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