Die Untersuchung der Darmflora und die Stuhltransplantation als therapeutisches Verfahren sind sehr aktuelle Themen. In einer amerikanischen Studie wurde nun untersucht, ob und wie ein körperliches Training die Zusammensetzung und die metabolische Kapazität der menschlichen Darmflora verändert.

Im Rahmen dieser über zwölf Wochen dauernden Studie wurde untersucht, wie sich ein sechswöchiges kontrolliert-standardisiertes, in der Intensität ansteigendes Trainingsprogramm auf die Zusammensetzung des Mikrobiom auswirkt. An der Studie nahmen 18 normalgewichtige Personen (je 9 Frauen und Männer) und 14 übergewichtige Personen (11 Frauen, 3 Männer) teil. Die Zusammensetzung des Mikrobioms wurde vor Trainingsbeginn, am Schluss der sechs Wochen und nach weiteren sechs Wochen bestimmt. Das Trainingsprogramm begann mit 30 Minuten täglich bei einer Intensität von 60 % der Herzfrequenzreserve (HRR) und endete nach sechs Wochen mit 60 Minuten täglich und einer Intensität von 75 % der HRR. Die anschliessenden sechs Wochen dienten als Wash-out. Die Ernährung der Teilnehmenden wurde jeweils während drei Tagen vor der Stuhluntersuchung standardisiert. Die Ergebnisse zeigten zum ersten Mal, dass ein körperliches Training die Zusammensetzung und die metabolische Kapazität der menschlichen Darmflora verändern kann, allerdings in Abhängigkeit vom Gewicht der Testperson. Die Veränderungen verschwanden nach dem Trainingsstopp wieder.(pj)

Quelle: 
Allen JM, et al.: Exercise alters Gut Microbiota Composition and Function in Lean and Obese Humans. Med Sci Sports Exerc 2018; 50(4): 747–757.

Kommentar von Dr. med. Peter Jenoure

Die Untersuchung der Darmflora – das heisst die Summe aller Bakterien und Mikroorganismen, die im Darm angesiedelt sind (sog. intestinale Mikrobiota) – ist im Trend, und die Stuhltransplantation als therapeutisches Verfahren ein sehr aktuelles Thema, auch wenn eigentlich die medizinische Verwendung des menschlichen Stuhls uralt ist. Dieses neue Interesse erklärt sich durch die Erkenntnis, dass die Zusammensetzung der Mikrobiota bei einer Reihe von Erkrankungen wie Morbus Crohn, Diabetes Typ 2, kardiovaskulären Erkrankungen, Asthma, Neurodermitis und weiteren eine Rolle spielen kann. Wie in der beschriebenen Studie scheint auch Adipositas davon abzuhängen. Die technologischen Fortschritte ermöglichen die feinste Analyse dieser «Gewebe», und es können heute die genetischen Eigenschaften der zwischen 500 und 1000 verschiedenen Arten von Darmbakterien, zu 80 % anaerob und somit schwer zu bearbeiten, untersucht werden!

Die Analyse der Mikrobiota der Probanden konnte zeigen, dass die Darmflora von Normal- und Übergewichtigen bei Trainingsbeginn Differenzen aufwies, die am Schluss des Programms nicht mehr vorhanden waren. In beiden Gruppen kam es im Verlauf des Trainings zu Veränderungen der Mikrobiota-Zusammensetzung, die nach der Wash-out-Phase wieder verschwanden.

Diese Resultate und weitere aktuelle Erkenntnissen im Bereich dieses spannenden Forschungsgebiets werfen die Frage auf, ob nicht manche der bekannten Anpassungserscheinungen verschiedener Organe und Organsysteme an körperliche Aktivitäten in engem Zusammenhang mit diesen Mikrobiotaveränderungen stehen. Wenn dem so wäre, stehen möglicherweise nicht nur vielversprechende therapeutische Massnahmen zur Verfügung, sondern im Sport sogar neue Dopingmöglichkeiten: zum Beispiel die Stuhltransplantation von Mikrobiota eines erfolgreichen Sportlers an einen weniger erfolgreichen Mannschaftskollegen!

Dr. med. Peter Jenoure , ARS Ortopedica, ARS Medica Clinic, 6929 Gravesano, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

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