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Der renommierte Philosoph, Publizist und Physiker Dr. Ludwig Hasler hat im Rahmen des vierten «Meet & Greet by IACULIS mit Persönlichkeiten aus Medizin und Wissenschaft» die personalisierte Medizin aus einer neuen, philosophisch geprägten Perspektive beleuchtet. Für einmal ging es nicht in erster Linie um Biomarker, DNA und individuelle Therapien, sondern um die Stellung der Person und das Zusammenspiel von medizinischer Technik und Seele.

Was ist Persönlichkeit?
Die Definition der Person bzw. der Persönlichkeit ist eine zentrale Frage, die sich wahrscheinlich nicht abschliessend klären lässt. Das Wort Person stammt vom lateinischen personare, das übersetzt hindurchtönen heisst. Die Person kann daher als das verstanden werden, das durch alle äusseren Masken «hindurchtönt», das Unverwechselbare, das Spezielle. Das führt automatisch zur Frage, wo und was die Seele ist – früher ging man davon aus, dass sie im Herzen sitzt. Mit der ersten Herztransplantation und der ausbleibenden Identitätsdiffusion vom Spender zum Empfänger hat die Medizin nicht nur auf den Körper gewirkt, sondern auch auf das Menschenbild – das Bild des Herzens als Sitz der Seele wurde zerstört. Dr. Hasler führte aus, dass heute eher das Gehirn als Sitz der Seele verstanden wird, da das Gehirn sicher einzigartig ist. Bei der Geburt bestehende synaptische Verbindungen werden im Verlauf des Lebens «personalisiert», durch individuelle Erlebnisse, Handlungen und sozialen Imprägnationen – dadurch entsteht die Persönlichkeit.

Spagat zwischen Medizin und Seele
Es lassen sich zwei Facetten der «Personalisierung» aufzeigen – zum einen die persönliche Biologie, verankert in den Genen und den biochemischen Prozessen im Körper und zum anderen die Seele. Gerade die Medizin müsste sich bemühen, den Spagat zwischen diesen beiden Ausprägungen zu schaffen. Bei aller medizinischen Forschung sollte die Seele nicht aus den Augen verloren werden, sonst handelt man am Mensch vorbei.
Um dies zu illustrieren, führte Dr. Hasler aus, dass eine Therapie nicht allein durch ein Arzneimittel funktioniert, sondern auch als persönliche Beziehung zwischen dem Arzt und dem Patienten verstanden werden muss. Der Patient muss spüren, dass der Arzt von der Therapie und der Heilung überzeugt ist. Dr. Hasler sieht dabei die Kraft der Seele und der Vorstellung als entscheidendes Element, das auch von der individuellen seelischen Widerstandskraft geprägt wird. Allerdings sollte weder die medizinische Therapie noch die Kraft der Seele verselbständigt oder übertrieben werden, es braucht das Zusammenspiel von beidem.
Die Gesellschaft ist geprägt von einer Übererwartung an die medizinischen Möglichkeiten, das heisst, wenn heute 40% der Patienten von einer bestimmten Krankheit geheilt werden können, besteht die Erwartung, dass ein paar Jahre später 100% geheilt werden können. Bei gleicher Krankheit ist jedoch das Leid bzw. die Genesungszeit für jeden Patienten unterschiedlich und es wird nie möglich sein, alle zu heilen, da die Seele auch noch mitspielt. Aber es ist natürlich auch riskant der Seele eine Allmacht zuzusprechen. Es braucht einen Mittelweg und die Akzeptanz, dass nicht alles wegtherapiert werden kann.

Der Körper als Orchester
Um seine Ausführungen zusammenzufassen, verglich Dr. Hasler den Körper mit einem Orchester: Es ist nicht ausreichend, dass jedes Instrument für sich korrekt gespielt wird, es braucht die Interaktion, das aufeinander hören, gegenseitige Animation, Motivation und Inspiration, um in Hochform zu kommen. Die Kommunikation ist zentral und in diesem Sinne ist das Zusammenwirken von medizinischer Technik und der Seele ein Gewinn für die Person.

Der komplette Vortrag von Dr. Hasler ist auf www.iaculis.ch/aktuelles als Video verfügbar.

 von Dr. phil. Catherine Haberthür-Müller und Sonia Fröhlich de Moura, IACULIS GmbH

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