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Bisherige Daten über einen Zusammenhang zwischen dem Alter bei der Menarche und der Menopause zeigten ein uneinheitliches Bild. Mehr Klarheit brachten die Ergebnisse eines internationalen Studienpools.

Im Rahmen des InterLACE-Projekts (International collaboration for a Life course Approach to reproductive health and Chronic disease Events) wurden die Daten von 51 450 postmenopausalen Frauen aus neun Beobachtungsstudien in Grossbritannien, Skandinavien, Australien und Japan ausgewertet. Bei insgesamt 14,1 % war die Menarche vor dem zwölften Lebensjahr eingetreten. 2 % erlebten eine vorzeitige Menopause vor dem 40. Lebensjahr, weitere 7,6 % eine frühe Menopause zwischen 40 und 44 Jahren. Drei Viertel der Frauen hatten zwei oder mehr Kinder. Nach der Anpassung an mögliche Störfaktoren wie BMI, Nikotinkonsum und Bildungsgrad zeigte sich: Sowohl das Alter bei der Menarche als auch die Parität waren unabhängig voneinander mit dem Menopausenalter assoziiert. Bei einer frühen Menarche (≤ 11 Jahre) stieg das Risiko einer vorzeitigen Menopause um 80 % und das einer frühen Menopause um 31 %. Kinderlosigkeit erhöhte das Risiko einer Menopause vor dem 40. Lebensjahr um mehr als das Doppelte. Bei Nulliparae mit einer frühen Menarche kletterte es im Vergleich zu Frauen mit zwei oder mehr Kindern und einer späteren Menarche bis auf das Fünffache.

Eine vorzeitige oder frühe Menopause birgt ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Osteoporose und Diabetes. Die Studienautoren empfehlen deshalb, Frauen mit einer frühen Menarche – insbesondere, wenn sie kinderlos geblieben sind – bereits ab einem Alter von 35 Jahren auf Zeichen einer ovariellen Insuffizienz zu untersuchen. So bleibt genügend Zeit für Präventivmassnahmen, um chronischen Erkrankungen infolge des frühen Östrogenmangels entgegenzuwirken. (red.)

Quelle: Mishra GD, et al.: Early menarche, nulliparity and the risk for premature and early natural menopause. Human Reprod 2017; doi: 10.1093/humrep/dew350

Kommentar zur Studie von Dr. med. Susanna Weidlinger und Prof. Petra Stute

Die vorliegende Metaanalyse aus sechs Beobachtungsstudien zeigt für die frühe Menarche (≤ 11 Jahren) und/oder Nulliparität ein erhöhtes Risiko für eine prämature (< 40 Jahren) und frühe (< 45 Jahren) Menopause. Die Risikoberechnungen wurden für die Parameter Geburtsjahr, Bildung, Nikotin und Ehestatus adjustiert. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Frauen mit früher Menarche, vor allem Nullipara, ab 35 hinsichtlich prämaturer Ovarialinsuffizienz untersucht werden sollten, um rechtzeitig präventive Massnahmen zu ergreifen.

Die Studie weist zahlreiche Limitationen auf: 1) Das Menarchenalter wurde retrospektiv erfasst (Bias durch fehlerhafte Erinnerung); 2) die Risikoberechnungen wurden nicht bzgl. Kontrazeptionsanwendung (FDA-Zulassung der «Anti-Baby-Pille» 1960), persönliche Familienplanung und die Fertilität einschränkende Komorbiditäten (Malignome, Endometriose, Autoimmunerkrankungen etc.) adjustiert; 3) es wurden nur Geburten berücksichtigt (keine Aborte, Abruptiones), so dass Nulliparität nicht automatisch Nulligravidität bedeutet. Da auch genetische Faktoren das Menopausenalter beeinflussen, ist die Herstellung eines kausalen Zusammenhangs zwischen Menarchenalter bzw. Parität und Menopausenalter nicht möglich.

Die Empfehlung, Frauen mit früher Menarche ab 35 Jahren explizit – selbst bei Zyklus regularis – auf prämature Ovarialinsuffizienz zu untersuchen, erscheint etwas übertrieben. Vielmehr sollten die ESHRE-Guidelines 2016 beherzigt werden. Die prämature Ovarialinsuffizienz ist wie folgt definiert: Alter < 40 Jahre + Oligo-/Amenorrhoe während ≥ 4 Monate + 2 x FSH i. S. > 25 IU/L im Abstand von mindestens vier Wochen. Wenn diese Definition erfüllt ist, folgen die von der ESHRE empfohlenen weiteren diagnostischen Massnahmen und die Gabe einer präventiven Hormonersatztherapie.

Prof. Dr. med. Petra Stute, Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Frauenklinik Inselspital Bern

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