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Phosphodiesterasen kommen in zahlreichen Organen in 11 Isoenzymen vor. Substrate sind cAMP und cGMP. Nach den Indikationen Herzinsuffizienz und pAVK, erektile Dysfunktion und pulmonale Hypertonie sind nun auch in der Dermatologie erste Phosphodiesterase-Hemmer zugelassen.

In der Schweiz steht für Psoriasis-Patienten seit 2015 Apremilast zur oralen Therapie zur Verfügung, es ist als Zweitlinientherapie zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis oder Psoriasis-Arthritis. Prof. Dr. med. Ingo Haase erläuterte bei den Zürcher Dermatologietagen das Wirkprinzip: Bei der PDE4 handelt es sich um eine für zyklisches Adenosinmonophosphat (cAMP) spezifische und in Entzündungszellen dominante Phosphodiesterase. Apremilast hemmt selektiv die PDE4, wodurch die intrazellulären cAMP-Spiegel steigen. Dies bremst die entzündliche Reaktion, indem die Expression der pro-entzündlichen Zytokine TNFα, Interleukin (IL)-23 und IL-17 unterdrückt und diejenige von antiinflammatorischen Zytokinen wie IL-10 erhöht wird. Letztendlich resultiert wieder eine Balance von pro- und anti-inflammatorischen Signalen. In der Phase-III-Studie ESTEEM wurden Patienten mit mässiger bis schwerer Psoriasis über 52 Wochen mit 2x30 mg/Tag Apremilast behandelt. In der 16. Woche erreichten 28,8% der Behandelten ein PASI-75-Ansprechen (5,8% bei Placebo).1

In den USA erfolgte bereits die Zulassung eines topischen, nicht-steroidalen PDE4-Inhibitors Crisaborol 2% Salbe.2 Es handelt sich um einen innovativen Ansatz für die Behandlung von atopischer leichter bis mittelschwerer Dermatitis bei Patienten im Alter ab 2 Jahren. Das Produkt stellt die erste und einzige topische, nicht-steroidale Monotherapie dar, die das Enzym PDE4 in der Haut hemmt.3

Apremilast ist auch eine Therapieoption beim Lichen planus mucosae. Prof. Dr. med. Thomas M. Kündig, Leiter Forschung und Labor, Leiter Poliklinik am USZ, stellte diese Erkrankung vor. Je nach Lokalisation variiert das klinische Bild vom Lichen planopilaris über die frontal fibrosierende Alopezie bis Pseudopelade Brocq. In Indien, Pakistan, Asien ist die Inzidenz fünfmal häufiger als in Europa, viele Assoziationsstudien (HPV, HCV, Brustkrebs) stammen aus den USA.4 Das Risiko einer malignen Entartung besteht, ist aber ein geringes Problem,5 betonte Prof. Kündig.

«Die Datenlage zu Therapie ist beschämend. Vom Abwarten der spontanen Abheilung bis zum Prednison-Stoss wird alles Mögliche empfohlen», fasste Prof. Kündig zusammen (Retinoide, Vitamin D3, Omidian, Sulfasalazin, Biologika: Secukinumab, Adalimumab, Infliximab; Griseofulvin, Hydrochloroquin, Finasterid, Dutasterid). Prof. Kündig hat gute Erfahrungen mit Clobetasol und auch Aloe-vera-Haftgel gemacht. Berichtet wird auch von sehr guten Ergebnissen mit Tetrazyklinen. Bei einer stenotischen Ösophagitis konnte mit Apremilast ein gutes Ansprechen bei 4 von 10 Patienten erzielt werden.6

Dr. med. Susanne Schelosky

Quelle: 7. Zürcher Dermatologische Fortbildungstage, 14.-16. Juni 2017

Bibliografie:
1. Paul C, et al.: Efficacy and safety of apremilast, an oral phosphodiesterase 4 inhibitor, in patients with moderate-to-severe plaque psoriasis over 52 weeks: a phase III, randomized controlled trial (ESTEEM 2). Br J Dermatol 2015; Sep 10. doi: 10.1111/bjd.14164. [Epub ahead of print].
2. Murrell DF, et al.: Crisaborole Topical Ointment, 2% in Adults With Atopic Dermatitis: A Phase 2a, Vehicle-Controlled, Proof-of-Concept Study. J Drugs Dermatol 2015; 14(10): 1108-1112.
3. Tom WL, et al.: Pharmacokinetic Profile, Safety, and Tolerability of Crisaborole Topical Ointment, 2% in Adolescents with Atopic Dermatitis: An Open-Label Phase 2a Study. Pediatr Dermatol 2016; 33(2): 150-159.
4. Kurago ZB: Etiology an pathogenesis of oral lichen planus: an overview. Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol 2016; 122(1): 72-80.
5. Aghbari SMH, et al.: Malignant transformation of oral lichen planus and oral lichenoid lesions: A meta-analysis of 20095 patient data. Oral Oncol 2017; 68: 92-102
6. Hafner J, et al.: Apremilast Is Effective in Lichen Planus Mucosae-Associated Stenotic Esophagitis. Case Rep Dermatol 2016; 8(2): 224-226.

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