Um ewige Jugend zu erlangen, ist offenbar nicht der Sprung in den Jungbrunnen nötig, sondern ein regelmässiges Ausdauertraining. Das ergeben Studien, die den Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und der Länge der Telomere untersuchen. Sport trägt dazu bei, dass die Telomere länger lang bleiben und damit Alterungsprozesse abgeschwächt werden.

In einem systematischen Review wurde untersucht, wie regelmässige Bewegung die Länge der Telomere beeinflusst. 37 Studien mit insgesamt rund 41 000 Teilnehmern wurden eingeschlossen. 20 davon fanden keinen Zusammenhang zwischen Sport und der Länge der Telomere, 15 Studien fanden eine positiven Zusammenhang, und zwei Studien beschreiben eine U-förmige Korrelation (kürzere Telomere bei gar keinem Sport und bei extremer sportlicher Betätigung).

In einer weiteren Studie untersuchte man die Rolle von «Telomeric repeat-containing RNA» (TERRA), welche die Telomere vor Verkürzung schützen. Über die «Adenosin 5'-Monophosphat-aktivierte Proteinkinase« (AMPK) wird die Produktion von TERRA hochreguliert, was den Schluss zulässt, dass ein aktiver Metabolismus zur «Fitness» der Telomere beiträgt. Dies wurde in praktischen Untersuchungen bei zehn jungen, gesunden Freiwilligen bestätigt. Diese setzten sich einem Ausdauertraining aus (Velo fahren), das die AMPK-Produktion aktiviert; in anschliessend entnommenen Muskelbiopsien zeigten sich tatsächlich erhöhte TERRA-Werte. Diese Resultate unterstützen die These, dass sportliche Betätigung vor Alterungsprozessen schützt.

In einer dritten Studie wurde untersucht, welche Art von körperlichem Training geeignet ist, die Alterung positiv zu beeinflussen. Die Länge der Telomere wurde bei 20 Ausdauersportlern (davon 17 Männer, Durchschnittsalter 45 Jahre) und bei 42 Nicht-Sportlern (davon 32 Männer, Durchschnittsalter 46 Jahre) analysiert. Bei den Sportlern waren die Telomere signifikant länger als bei den Nicht-Sportlern. Die 20 Ausdauersportler nahmen dann alle an einem Ultramarathon über 330 km teil; bei 15 fand eine Reevaluation in der Mitte des Laufs und bei den 14 Finishern eine erneute Evaluation nach Abschluss des Laufs statt. Die Länge ihrer Telomere war in der Mitte und am Ende des Laufs im Vergleich zum Baseline-Wert signifikant reduziert. Die Resultate deuten darauf hin, dass ein regelmässiges Ausdauertraining dazu beiträgt, die Länge der Telomere zu erhalten und damit biologische Alterungsvorgänge zu verlangsamen. Eine extreme körperliche Anstrengung, wie die Teilnahme an einem Ultramarathon, scheint die Telomere allerdings zu verkürzen, vermutlich durch oxidative Schädigung der DNA.

Kommentar zu den Studien von Dr. med. Peter Jenoure, Gravesano

Die verschiedenen Publikationen befassen sich mit dem Alterungsprozess, den Chromosomen und der Wirkung der körperlichen Aktivität auf diese beiden Paramater. Der Alterungsprozess ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt, aber eine zurzeit favorisierte Hypothese ist diejenige, dass sich bei jeder Zellteilung kleine «Ungenauigkeiten» einschleichen. Man kann sich dies wie die Vorgänge beim Fotokopieren vorstellen: Man startet mit einem Original und fotokopiert danach jeweils die entstandene Fotokopie, bis das immer wieder kopierte Bild allmählich an Schärfe verliert. Bei jeder «Kopie» von Zellen werden die Telomere, die Enden der Chromosomen, gekürzt. Telomere bestehen ebenfalls aus DNA, jedoch aus nicht-kodierender DNA, die nicht in die Proteinbildung eingreift. Ihre Funktion besteht unter anderem im Schutz der funktionellen Chromosomenarme: Je länger die Telomere, desto besser geschützt sind die Chromosomen. Diese Wirkung der Telomere ist gesichert und messbar und kommerziell als Informationsquelle über die eigene Alterung für den Einzelnen verfügbar!

Der Kürzungsprozess der Telomere scheint irreversibel zu sein, doch ist gezeigt worden, dass körperliche Aktivität diese Kürzung verlangsamt. Ein Molekül namens TERRA ist dafür zuständig, denn TERRA-Moleküle wirken wie Panzer um die Telomere. Durch sportliche Aktivität werden TERRA vermehrt produziert, über zelluläre Mediatoren wie AMPK und PGC-1α, wichtigen Elementen für die Bildung von Zellenergie. Die TERRA-Produktion ist abhängig von der Intensität der körperlichen Aktivität: Am günstigsten scheinen aerobe Übungen zu sein, und extreme Belastungen wirken gemäss aktuellen Experimente kontraproduktiv.

 

Quellen: Mundstock E, et al.: Effects of physical activity in telomere length: Systematic review and meta-analysis. Ageing Res Rev 2015; 22: 72–78. / Diman A, et al.: Nuclear Respiratory Factor 1 and endurance exercise promote human telomere transcription. Science Advances. Sci Adv 2016 Jul 27; 2(7): e1600031. / Borghini A, et al.: Chronic and acute effects of endurance training on telomere length. Mutagenesis 2015; 30(5): 711–716.

 

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